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Jüdische Nachbarschaften in New York

Eine Lektüre der lesbaren Spuren der «jüdischen Frage deutscher Art» in Uwe Johnsons "Jahrestage</I>

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Stefan Gädtke

«Es flaniert, das Kind.» Es ist diese randständige Aussage Mrs. Ferwalters, der gezeichneten Überlebenden der Shoah, die sie verschwörerisch lächelnd ihrer Nachbarin, der scham- und schuldbewussten Deutschen Gesine Cresspahl zuflüstert, in der Uwe Johnson eine Utopie eines noch möglichen deutsch-jüdischen Dialogs versteckt. Es ist diese Aussage, es ist das Flanieren, das eine nachlesbare Spur legt zu einer Antwort auf die «jüdische Frage deutscher Art». Genau dieser lesbaren Spur geht die Lektüre der Jahrestage nach und entdeckt den Schriftsteller Johnson als einen Flanierenden: Uwe Johnson ist ein Flaneur, der die Kunst des Spazierens von seiner jüdischen Nachbarin Hannah Arendt in New York gelernt hat.

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6. Er zeigt einem wohl was zum Denken

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Es ist nun meine 3. Lektüre, und ich kann nur sagen, daß das Vergnügen eigentlich immer größer wird. Man müßte für Sie eine neue (oder vielleicht sehr alte) Art Leser suchen, einen heimlichen Rätselrater, mit detektivischer Leidenschaft ausgerüstet. Dieser Leser muß auch in der Lage sein, das Buch zwei oder gar drei Mal zu lesen. Dies ist natürlich eine ideale Forde- rung, aber wer kann ihr in unserer hektischen Zeit entsprechen? Siegfried Unseld an Uwe Johnson 1959 es ist aber jedenfalls ein großartiges, gelungenes, sehr schwer zu lesendes aber sehr leicht zu verstehendes buch. Fritz J. Raddatz an Uwe Johnson 1970 Er stellte sein Fallen öffentlich aus, wir übersahen sie. Uwe Johnson: Jahrestage 6.1. Der unabhängige Leser Ein Lesevertrag zwischen den Jahrestagen und den Lesern In einem auch separat veröffentlichten1046 zweiten Teil des poetologischen Vortrags, des in einem umwegigen Sinne dialogisch zu lesenden Vortrags Wenn Sie mich fragen ..., der sich zu dem ersten Teil korrespondierend verhält, in dem Johnson den freiberuf- lichen Schriftsteller als einen sozialen Typ bestimmt, der kommensurabel mit den ver- dächtigen Flaneuren, vergleichbar auch mit den ausgegrenzten Juden nicht dazugehört (W, 52), findet eine zeitgemäße Umbesetzung der Aufmerksamkeit von den verachteten Produzenten1047 zu den Konsumenten, von den Schriftstellern zu den Lesern1048 statt. 1046 Vgl. Uwe Johnson: Vorschläge zur Prüfung eines Romans. In: Rainer Gerlach, Matthias Rich- ter (Hg.): Uwe Johnson. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1984. S. 30- 36; vgl. auch...

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