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Im alten Berliner Studentenviertel

Helmut Zschocke

Berlin hatte rings um das Oranienburger Tor bis zum Zweiten Weltkrieg sein Studentenviertel. Welche Ausmaße erreichte es und warum wanderte es aus der Umgebung der Universität nach Norden über die Spree? Unter welchen finanziellen Bedingungen lebte der Studierende dort? Wie waren die Wohnverhältnisse? Gab es eine soziale Betreuung? Wie sah das breitgefächerte kulturelle Angebot, das von Theatern unterschiedlichster Couleur bis zum «Tingel-Tangel» reichte, im einzelnen aus? Wie ging es in den bekanntesten Ballsälen und Studentenkneipen des Viertels zu? Welche Rolle spielten Korporationen, Burschenschaften und andere studentische Verbindungen? Welche bekannten Persönlichkeiten haben ihre Karriere an diesem Ort begonnen? Wann und warum verschwand das Berliner «Quartier latin»? Wie haben Prominente – von Theodor Heuss bis Heinrich Mann und Erich Kästner – das Viertel erlebt und beschrieben? Gibt es heute noch steinerne oder andere Zeugnisse aus dieser Zeit?

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1. Das zugeteilte Revier

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Im Oktober 1810 schreiben sich die ersten Studenten an der neu gegründeten Berliner Universität ein. Es vergehen nur wenige Monate, und auf dem Markt erscheint zum Preis von „vier guten Groschen“ ein Büchlein mit dem Titel „Nachrichten für angehende Studirende in Berlin, über mehrere hiesige ökono- mische und wissenschaftliche Angelegenheiten“ – gewissermaßen der erste Ber- liner Studienführer. Autor und Verleger ist Johann Christian Gädicke, ausgestat- tet überdies mit den Ämtern „Universitäts-Logis Commisarius und Castellan des Universitäts-Gebäudes“. Die kleine Schrift lässt erkennen, wie sich die preußische Behörde zu den neu- en Bewohnern der Residenz verhalten wollen - fürsorglich und kontrollierend: „Gleich bei der ersten Vorbereitung zur Errichtung einer Universität in Berlin“, so die Vorrede, „wurden die Fragen aufgeworfen: sind auch Wohnungen für die Studenten vor- handen? Können Studenten sich unbedingt in jedes Haus einmieten? Wer belehrt diejenigen über Wohnungen etc. welche hier gar keine Bekanntschaft haben? Es war sehr nöthig, daß man diese Gegenstände zum Wohl der Studirenden in Betrachtung zog, denn Berlin ist zu groß, als daß ein Fremder junger Mann nicht in mehrfacher Verlegenheit gerathen sollte, wenn er hier nicht jemand hat, welchen er über seine erste Einrichtung zu Rathe ziehen kann.“ 1 Mit Wort und Tat hilft Gädicke dem der heimatlichen Geborgenheit entrissenen und in die Eigenverantwortung entlassenen Jüngling, sich in der großen, damals schon ca. 160.000 Einwohner zählenden Stadt zurechtzufinden. Er vermittelt – gegen ein gewisses...

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