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Der Geschäftsführer in der Insolvenz der Gesellschaft

Eine rechtsvergleichende und rechtsökonomische Betrachtung von GmbH und LLC

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Vanessa Seibel

Bei jeder Gesellschaft mit beschränkter Haftung stellt sich die Frage, wie die Gläubiger vor Risiken geschützt werden, die mit Missbrauch bei materiell unterkapitalisierten Gesellschaften einhergehen. Das US-amerikanische und das deutsche Recht haben gegensätzliche, sich aber dynamisch entwickelnde Antworten gefunden. Bei der LLC gilt das Primat der Privatautonomie: Eine Insolvenzantragspflicht gibt es nicht, die Haftung des Geschäftsführers ist dispositiv, Derivative Claims der Gläubiger sind unbekannt. Das deutsche Recht setzt auf ein formalisierendes System strikter Regelsätze. Neben der Eröffnung des Insolvenzverfahrens hindern die umfassende Haftung des Geschäftsführers (§ 15a Abs. 1 InsO, §§ 64, 43 GmbHG) und die Anfechtung (InsO, AnfG) das freie Wirtschaften. Eine funktionale Analyse erlaubt es, Grundlagen, Defizite und Entwicklung beider Ansätze aufzuzeigen.

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7. Kapitel: Internalisierung von Schäden undRisiken

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207 7. Kapitel: Internalisierung von Schäden und Risiken Solange es dem deutschen und dem U.S.-amerikanischen Recht nicht gelingt, in der Insolvenz der Gesellschaft rechtzeitig ein Insolvenzverfahren auszulösen, müssen die Entscheidungen des Geschäftsführers mit den Mitteln des Gesell- schaftsrechts überprüft werden. Zwar kennt das Gesellschaftsrecht keine Vor- schriften, die die Handlungsrechte der Beteiligten ändern.854 Jedoch kann auch die freie Ausübung der zugewiesenen Rechte zugelassen und gleichzeitig die damit verbundenen Risiken internalisiert werden. In diesem Zusammenhang sind Haftungsnormen aus zwei Perspektiven zu betrachten: Ex ante verändert ei- ne Haftung die vom Handelnden antizipierten Kosten eines Verhaltens. Ex post betrachtet dient sie dazu, entstandene Schäden wieder auszugleichen und das Vermögen der Gesellschaft oder der Gläubiger aufzufüllen. Eine derartige Vor- schrift wirkt demzufolge mehrfach funktional. Sie dient sowohl der Prävention als auch der Kompensation.855 Dass das Gesellschaftsrecht dem Geschäftsführer in der Situation der Insol- venz der Gesellschaft Grenzen setzt, um Over- und Underinvestment zu vermei- den oder entstandene Verluste wieder auszugleichen, ist vor dem Hintergrund der Vertragsfreiheit keineswegs selbstverständlich. Bislang ließ sich die Aufga- benteilung zwischen einem auf Gestaltungsfreiräume bedachten Gesellschafts- recht und dem die Interessen der Gläubiger bedenkenden Insolvenzrecht zumin- dest im Hinblick auf das U.S.-amerikanische Recht klar nachvollziehen. Diese Unterscheidung muss anhand des Haftungsregimes – soweit dieses nicht auf die Eröffnung des Insolvenzverfahrens ausgerichtet ist – neu überdacht werden. Es sind solche Normen zu betrachten, die nicht primär auf das Insolvenzverfahren hinwirken, sondern einzelne...

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