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Pädagogik des Geistes

Zur Wiedergeburt des Subjekts als potentielle Person

Dietmar Langer

Die Pädagogik des Geistes ist eine erziehungsphilosophische Handlungstheorie und beruht auf einem gemäßigten Naturalismus, der eine Versöhnung der Philosophie des Geistes mit Darwins Evolutionsannahme darstellt und für die Wiedergeburt des dezentrierten Subjekts plädiert, jedoch nunmehr als potentielle Person. Im Sinne des kritischen Personalismus können Befunde der modernen Hirnforschung mit alten pädagogischen Einsichten erneut in Einklang gebracht werden. Dass man Vernunftprinzipien (Wahrheit, Richtigkeit, Freiheit etc.) überhaupt anwendet und auf seinen konkreten Willen im Sinne von Entschlussfähigkeiten bezieht, dazu bedarf es – und das haben Kant, Hegel und Dilthey noch nicht bedacht – eines (zuweilen auch vorrationalen) Willens zur Vernunft (Patzig). Von daher ist der Willensbereich das Zentrum der Pädagogik des Geistes, die im Anschluss an Petzelt und Spranger heute davon ausgeht, dass ohne Willen auch im Gehirn nicht viel geht, weder bei der Moralentfaltung, noch bei der Wertebildung und auch beim Denken und Urteilen nicht. Unser Geist, was immer er als Inbegriff eines Vermögens in Wirklichkeit auch sein mag, läge ohne Willen nahezu völlig brach – eine These, die auch von heutigen Neurologen (z. B. Kornhuber, Deecke) unterstützt wird.

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Vorbemerkungen zur These vom ‚Tod des Subjekts’

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Seit dem 19. Jahrhundert vermehrten sich zunehmend skeptische Stimmen gegen die idealistische bzw. bewusstseinsphilosophische Grund- und Aus- legung des Subjekts oder des ‚Ich’. Friedrich Nietzsche (1844 – 1900) zeig- te z.B. große Weitsicht, nannte die Bezeichnung >Ichich denkeIchdezentriert<, wodurch dem Ich (bzw. dem Selbst) sein lang und hart- näckig anhaltender Status als fundamentales Zentrum (a) in der Erkenntnis- theorie im Sinne einer ‚Apriori-Instanz’ und (b) in der Leib-Seele-Debatte im Sinne einer ‚Kern-Substanz’ immer mehr verloren ging: Zu (a): Karl Popper distanzierte sich z.B. von Kants Vermittlung von Empirismus und Rationalismus deshalb, weil Kant von der Notwendigkeit eines ’a priori – Wissens’, um Erfahrungswissen zu ermöglichen, auf dessen ’a priori-Gültigkeit’ geschlossen hat- te. Am Beispiel der Geometrie lässt sich dieser voreilige Schluss des Erkenntnissub- jekts veranschaulichen: „Um unsere Wahrnehmung zu interpretieren, brauchen wir eine Geometrie, die zumindest annähernd euklidisch ist; zumindest für unsere nähere Umge- bung. Aber ob der Raum, der über die Erde und den Mond hinausgeht, euklidisch ist oder nicht, ist eine andere Frage: Hier kommen wir eben zur Hypothese, zum konjek- turellen Wissen“ (Karl Popper 41995 a, S. 129). Und zu (b): „Das Ich und sein Leib: das ist kein Verhältnis von Kern und Schale, son- dern eine vielfach gebrochene und vermittelte Situation, in deren Innen-Außen-Ver- hältnis Wahrnehmungen und Strebungen, Tätigkeiten und Leiden durch die Zwiebel- struktur von Icherleben, Leibvollzug, Kleidungsschichten, Gerätegebrauch und Um- raumgestaltung hin und zurück fließen“ (Gottfried Bräuer 1985, S. 88)...

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