Show Less

Pädagogik des Geistes

Zur Wiedergeburt des Subjekts als potentielle Person

Dietmar Langer

Die Pädagogik des Geistes ist eine erziehungsphilosophische Handlungstheorie und beruht auf einem gemäßigten Naturalismus, der eine Versöhnung der Philosophie des Geistes mit Darwins Evolutionsannahme darstellt und für die Wiedergeburt des dezentrierten Subjekts plädiert, jedoch nunmehr als potentielle Person. Im Sinne des kritischen Personalismus können Befunde der modernen Hirnforschung mit alten pädagogischen Einsichten erneut in Einklang gebracht werden. Dass man Vernunftprinzipien (Wahrheit, Richtigkeit, Freiheit etc.) überhaupt anwendet und auf seinen konkreten Willen im Sinne von Entschlussfähigkeiten bezieht, dazu bedarf es – und das haben Kant, Hegel und Dilthey noch nicht bedacht – eines (zuweilen auch vorrationalen) Willens zur Vernunft (Patzig). Von daher ist der Willensbereich das Zentrum der Pädagogik des Geistes, die im Anschluss an Petzelt und Spranger heute davon ausgeht, dass ohne Willen auch im Gehirn nicht viel geht, weder bei der Moralentfaltung, noch bei der Wertebildung und auch beim Denken und Urteilen nicht. Unser Geist, was immer er als Inbegriff eines Vermögens in Wirklichkeit auch sein mag, läge ohne Willen nahezu völlig brach – eine These, die auch von heutigen Neurologen (z. B. Kornhuber, Deecke) unterstützt wird.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

3 Erklärungsversuche der Philosophie des Geistes

Extract

Der Geist wird im herkömmlichen Sinne in drei Bereiche gegliedert, und zwar in die kognitiven, emotionalen und voluntativen Anwendungsgebiete. Beispielsweise Denken und Urteilen fallen in den ersten, Fühlen und Stim- mungen in den zweiten, Wollen und Antriebe in den dritten Bereich, jedoch können in einem Entscheidungs- oder Entschlussvorgang samt Ergebnis alle drei Bereiche in verschränkter Weise aktiviert sein. Es können sich aber auch einzelne geistig-seelische oder mentale Zustände ereignen. Wenn psychische Ereignisse oder Zustände auf die Bereiche des Denkens, Füh- lens und Wollens bezogen sind, dann insbesondere auf Vorstellung, Urteil, Folgerung, Meinung, Zweifel, Staunen (intellektueller Bereich), aber auch auf jede Gemütsbewegung, Hoffnung, Liebe, Furcht, Verzagen, Freude, Hass, Mut, Zorn, Traurigkeit, Angst etc. (emotionaler Bereich der Gefühle und Stimmungen), und zudem auf Entschluss, Begierde, Motive, Wille, Absichten (voluntativer Bereich). Mit dieser hermeneutischen Auslegung haben wir ein Verständnis über die Vielfalt der Aufgaben unseres Geistes erhalten. Nun möchte man aufgrund der eingangs erwähnten analytischen Einstellung noch mehr darüber wis- sen. Insbesondere ist von Interesse, ob und wie man den Geist so erklären kann, dass man auch sein ‚Zustandekommen’ versteht. 3.1 Zur Problematik der Erklärung des Geistes Nach den bisherigen Überlegungen ist es ratsam, beim Entwurf einer päda- gogischen Theorie des Geistes vor allem auf eine Theorie zurückzugreifen, die unseren Geist weder als immaterielle Substanz (Descartes) noch als un- bewegten Beweger im Sinne einer ursachenlosen Ursache bzw. als Erst- auslöser (Kant) und auch nicht...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.