Show Less

150 Jahre «Max Havelaar»- 150 Years «Max Havelaar»

Multatulis Roman in neuer Perspektive - Multatuli’s Novel from New Perspectives

Edited By Jaap Grave, Olf Praamstra and Hans Vandevoorde

Im Jahre 1860 erschien Multatulis Max Havelaar. Der Roman, der in Amsterdam und der ehemaligen ostindischen Kolonie der Niederlande des 19. Jahrhunderts spielt, sorgte für viel Aufsehen. Die Qualität des Romans rechtfertigt eine vielfältige und fruchtbare Forschung jedoch nicht nur im sprachübergreifenden, sondern auch im interdisziplinären Sinne. Auf dem Prüfstand stehen narratologische, poetologische und intertextuelle Lesarten, zudem wird der Max Havelaar wissenschaftshistorischen, postkolonialen und ideologiekritischen Analysen unterzogen. Die Autoren dieses Bandes, internationale Literaturwissenschaftler, die sich im Dezember 2010 anlässlich einer Fachkonferenz an der Freien Universität Berlin versammelt haben, erweitern und aktualisieren mit ihren Beiträgen die nationale und internationale Multatuli-Forschung und betrachten den Roman in einer vollkommen neuen Perspektive.
One hundred and fifty years ago, in 1860, Multatuli's Max Havelaar was published. Set in 19th century Amsterdam and in the then Dutch colony of the East Indies the novel caused a considerable stir among contemporary readers. The quality of the novel justifies multiple and fruitful research not only outside the language borders but also in an interdisciplinary way. That is the goal of this book: to do research on narratological, poetical and intertextual aspects of Max Havelaar, and moreover to make it the subject of postcolonial, ideological and historical analyses. In this way, during a conference at the Free University Berlin in December 2010 literary scholars not only widened and brought the Mul­tatuli research up to date, but also examined the novel from new perspectives.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Max Havelaar, Autobiografie als Strategie und Effekt; Lut Missinne

Extract

Max Havelaar, Autobiografie als Strategie und Effekt Lut Missinne „No gentleman ever writes about himself“, soll der englische Autor Hillary Belloc gesagt haben. Hätte man Multatuli mit dieser Aussage konfrontiert, hätte er sich zweifelsfrei ziemlich wortgewandt verteidigt und erklärt, dass der Max Havelaar für ihn zwar „ein Kapitel aus [s]einem Leben“ (458) sei, aber gewiss mehr als nur eine „nette Erzählung“ (459).1 Dass die Geschichte über Havelaar autobiografisch ist, dass Multatuli sie auch als solche verstanden wissen wollte und dass Kritiker und normale Leser das selbstverständlich auch so gesehen haben, sind nicht die Themen, die ich in meinem Beitrag behandeln möchte. Stattdessen frage ich mich, wie ein Leser aus dem Jahre 1860, ohne Vorkenntnisse über den Fall Lebak und über Eduard Douwes Dekkers Erfahrungen als niederländischer Beamter auf Java, dieses Buch gelesen haben könnte. Welche Signale suggerierten dem Leser einen autobiografischen Hintergrund und welche Fiktionalitätssignale führten ihn von dieser Vermutung wieder weg und ließen ihn denken, dass dies lediglich ein „schön“ geschriebenes Buch sei? Autobiografisch Dekker schrieb am 27. Oktober 1859 an seine Frau Tine: „Ich lasse sie nun im Glauben, dass sie eine halb lustige, halb ernsthafte Erzählung lesen, und erst wenn ich den Leser um den Finger gewickelt habe, bringe ich das Wesentliche auf den Tisch. Wer ungefähr bei der Hälfte ist, weiß noch nicht, dass ich ihm eine offizielle Sache wie eine Medizin einflöße.“2 Den stärksten...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.