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Stegreifübersetzen

Überlegungen zu einer Grenzform der Translation am Beispiel des Sprachenpaares Französisch-Deutsch

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Christina Parkin

Bislang wurde das Stegreifübersetzen nur als Randerscheinung wahrgenommen und in der universitären Ausbildung oft stiefmütterlich behandelt. Mit diesem Buch soll Abhilfe geschaffen werden: Die Hybridform wird in ihren Varianten beschrieben, definiert und aus kommunikationstheoretischer sowie kognitionslinguistischer Perspektive mit den anderen Formen der Translation verglichen. Die Gegenüberstellung der Stegreifleistung von Übersetzern und Dolmetschern am Beispiel des Sprachenpaares Französisch-Deutsch gibt Aufschluss über die spezifischen Schwierigkeiten. Es werden die Kompetenzen zusammengestellt, die für eine gelungene Stegreifübersetzung erforderlich sind, und ein didaktischer Leitfaden für den Erwerb der Fertigkeiten entwickelt, die für das Übersetzen und Dolmetschen einen Mehrwert bieten.

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1 Einleitung

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Übersetzen und Dolmetschen spielen seit Menschengedenken im Kon- takt zwischen verschiedenen Kulturen eine wichtige Rolle. Diese Rolle wird auch in der Literatur1 sowie den modernen Unterhaltungsmedien thematisiert, wobei gerade das Fernsehen bisweilen interessante Einbli- cke liefert: In einer Folge der von der ARD produzierten TV-Krimireihe „Tatort“ mit dem Titel Eine Leiche zu viel (D 2004) müssen sich der ermit- telnde Kommissar, der über keinerlei Fremdsprachenkenntnisse verfügt, und seine mehrsprachige Assistentin bei der Suche nach den Hinter- gründen, die zur Ermordung einer Französin geführt haben, mit dem französischen Ehemann der Toten auseinandersetzen. Da dieser wiede- rum kaum deutsch spricht, werden seine französischen Äußerungen beim ersten Kontakt spontan von der Assistentin gedolmetscht. An die- ser Stelle haben die Drehbuchautoren auf eine Synchronisation der zum Teil äußerst vulgären Äußerungen verzichtet, die Sprachmittlung erfolgt ausschließlich über die Assistentin. Bei der Suche nach Indizien stoßen die Ermittler später auf einen Brief des Ehemanns an das Mordopfer und es kommt zu folgender Szene: Kommissar: „Können Sie mal vorlesen?“ Assistentin: „Ma petite!“ Kommissar (ungeduldig): „Auf Deutsch bitte!“ Assistentin: „Meine Kleine. Ich hoffe, du bist mir nicht böse…“ (Tatort SWR:2004, 62:45) Während die Assistentin nahezu fließend mit der beim Lesen üblichen Intonation den Zieltext auf Deutsch vorträgt, schwenkt die Kamera von ihrem konzentrierten Gesicht mehrfach auf das französische Schriftbild des Briefes, um die Verbindung zwischen Originaltext und Übersetzung zu unterstreichen. Interessant ist, dass die Assistentin bei...

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