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Stegreifübersetzen

Überlegungen zu einer Grenzform der Translation am Beispiel des Sprachenpaares Französisch-Deutsch

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Christina Parkin

Bislang wurde das Stegreifübersetzen nur als Randerscheinung wahrgenommen und in der universitären Ausbildung oft stiefmütterlich behandelt. Mit diesem Buch soll Abhilfe geschaffen werden: Die Hybridform wird in ihren Varianten beschrieben, definiert und aus kommunikationstheoretischer sowie kognitionslinguistischer Perspektive mit den anderen Formen der Translation verglichen. Die Gegenüberstellung der Stegreifleistung von Übersetzern und Dolmetschern am Beispiel des Sprachenpaares Französisch-Deutsch gibt Aufschluss über die spezifischen Schwierigkeiten. Es werden die Kompetenzen zusammengestellt, die für eine gelungene Stegreifübersetzung erforderlich sind, und ein didaktischer Leitfaden für den Erwerb der Fertigkeiten entwickelt, die für das Übersetzen und Dolmetschen einen Mehrwert bieten.

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2 Stegreifübersetzen – eine Translationshybride mit vielfältigen Erscheinungsformen

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2.1 Anmerkungen zum Forschungsstand Die unsystematische Aufarbeitung des Themas „Stegreifübersetzen“ zeigt sich schon in der terminologischen Vielfalt der Bezeichnungen für diese Form der Übersetzung in den einzelnen Sprachen. Im Deutschen ist die Rede von: Stegreifübersetzen (übliche Bezeichnung am FTSK Germers- heim), Spontanübersetzung (Kalina 2004), Vom-Blatt-Übersetzen und Vom- Blatt-Dolmetschen (geplante Dissertation von Plötz). Im Englischen findet man neben dem üblichen Terminus sight translation auch ex tempore transla- tion, sight interpretation (Lambert 2004), und im französischsprachigen Raum werden folgende Termini verwendet: traduction à vue (Pratt 1990), traduction à l’oeil (Curvers et al. 1984; 1986), interprétation documentée (Spilka 1966), traduction à livre ouvert und traduction au magnétophone (Gingold 1978). Diese Begriffe beziehen sich mitnichten auf ein einheitliches Konzept, sondern bezeichnen ohne Angebot einer klaren Klassifizierung unter- schiedliche Erscheinungsformen des Stegreifübersetzens. Als gemeinsa- mer Nenner lässt sich nur Folgendes feststellen: Es handelt sich in allen Fällen um die mündliche Übertragung eines schriftlich fixierten Textes, ohne dass dabei die Begleitumstände sowie der Skopos dieser Translati- onsform im Allgemeinen bzw. konkrete Einsatzkontexte für diese Vari- ante der Translation problematisiert werden. Ähnlich verwirrend stellt sich auch die Zuordnung des Stegreifüberset- zens zu den Kategorien Übersetzen oder Dolmetschen dar: Die Band- breite der Klassifizierungsvorschläge reicht von der einfachen Vorübung zum Simultandolmetschen (Van Hoof 1962:37) über eine eindeutige Zu- ordnung zum Übersetzen (Seleskovich 1976:114) bis hin zur Betonung der Verwandtschaft mit dem Konsekutivdolmetschen (Déjean Le Féal 1981:19). Wenn...

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