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Ich als raumzeitliches Konstrukt

Die Fiktionen vom Leben der estnischen und deutschen Jugendlichen

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Reet Liimets

In dieser Monographie wird Ich als ein raumzeitliches Phänomen bestimmt, indem die Autorin dem Problem Ich im Kontext verschiedener Disziplinen wie Philosophie, Psychologie, Soziologie, Literaturwissenschaft und Semiotik nachgeht. Als Ergebnis der theoretischen Analyse gelangt sie zur Neukonzeptualisierung des Konstrukts Ich. Das Ich wird als eine Einheit der synchronen und diachronen Raumzeiten aufgefasst. Im Lichte des theoretischen Kontextes und auf Grund der Analyse der literarischen Werke werden die Fiktionen vom Leben der Jugendlichen im sowjetischen Estland und in der Deutschen Demokratischen Republik konstruiert. Im Anschluss werden die Lebensfiktionen der Esten und Deutschen verallgemeinernd verglichen und interpretiert.

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1. DAS ICH ALS KONTROVERSE IN DEN HUMANWISSENSCHAFTEN

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Im abendländischen humanwissenschaftlichen Denken ist immer noch die Tradition vorherrschend, den Menschen als Ich als ein pluralistisches und dicho- tomes Wesen zu betrachten. In den Anfängen des 20. Jahrhunderts versuchte Ludwig Binswanger (1973) diese Auffassung zu widerlegen. Nach den Ideen von Binswanger wird das Ich als Identität als eine singuläre Daseinsweise interpre- tiert, die gleichzeitig auch ein Zusammensein ist. Singularität als Ichbinheit ist zugleich somit Wirheit. Die gegenwärtigen Philosophen Volker Gerhardt (1999), Manfred Frank (1988; 1991; 1997; 2002) und Dieter Henrich (1979; 1979a; 1999) versuchen zum Beispiel ebenso das Individuelle mit dem Allgemeinen zu verbinden. Vor demselben Problem stehen heute sowohl die Psychologie als auch die Soziologie. In diesen Fachbereichen wird gefragt, wie die persönliche und die soziale Identi- tät zu bestimmen und wie sie miteinander verbunden sind (Jacobson-Widding 1983; Luckmann 1983; Deuax 1992; Edwards 1992; Liebkind 1992; Kraus 1996; } ="%@~@+/ hand- lungen der Selbstkonzeption oder des Selbstbildes wird das Problem thematisiert, indem man untersucht, wie die Selbstkonzeption als intra- und interindividuelles Informationssystem funktioniert (Deaux 1992; Hattie 1992; Byrne & Shavelson 1996; Korpinen 2000; Wagner & Simpson & Stader 1997; Filipp 1993; Wicklund 1993; Higgins 1996; Strauman 1996; Cross & Madson 1997; Block 1995 usw.). In demselben Problemkreis befinden sich auch die narrativen und autobiographi- schen Selbst- und Identitätsbehandlungen (Schulze 1993; 1993a; 1996; 1999; Baacke 1993; 1993a; Ricœur 1991; 1996; Thomä 1998; Bourdieu 1990; Röttgers 1988; Corsten 1994, 2001; Wohlrab-Sahr 1992, 2002; Nassehi 1994; Welzer 1998; Nassehi & Weber 1990). Ich schreibe diesen...

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