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«Olor Caledonius»

Untersuchungen zur poetischen Psalterparaphrase von George Buchanan

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Gregor Nagengast

Der Schotte George Buchanan wurde von Zeitgenossen zu den größten europäischen Dichtern des 16. Jahrhunderts gezählt. Seine neulateinische poetische Psalterparaphrase gilt als sein bedeutendstes Werk. Die Einordnung in Gattungsgeschichte und Entstehungskontext führt zu einem tieferen Verständnis des Textes: Er fußt im Kern auf jahrhundertelanger Tradition und ist zugleich durchdrungen von humanistischer Geisteshaltung und Gelehrtheit. Erstmalig wurde das gesamte Korpus auf Anleihen bei lateinischen «Klassikern» untersucht. Buchanans Umgang mit seinen antiken Vorbildern und der biblischen Vorlage sowie der direkte Vergleich seiner Dichtung mit anderen poetischen Psalmenparaphrasen erlaubt ein fundiertes Gesamturteil: George Buchanan ist ein wahrer Meister seines Faches, der mit Recht den an Vergil erinnernden Ehrentitel Olor Caledonius zugesprochen bekommen hat.

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D. ZUSAMMENFASSUNG DER ERGEBNISSE

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Der direkte Vergleich mit Eglisham, vor allem jedoch mit dem hochangesehe- nen Eobanus Hessus ergibt, dass George Buchanan ohne jede Übertreibung als einer der größten lateinischen Dichter seiner Zeit gelten kann. Denn Hessus‘ Übertragung der Psalmen erfreute sich, wie dargestellt wurde, nach ihrem Er- scheinen in Europa großer Beliebtheit und galt als sehr gelungen. Doch in der Gegenüberstellung der unterschiedlichen Paraphrasen des Psalms 104 war zu sehen, dass Buchanan das in jeder Hinsicht höher einzuschätzende Werk ver- fasst hat. Der Prätendent George Eglisham reicht in seiner poetischen Leistung bei weitem nicht an Hessus heran. Von Buchanan, dessen Leistung er in höchst aggressiver Weise in Zweifel zog und den er einige Zeit nach dessen Tod zum Dichterwettstreit, gleichsam einem poetischen Duell, herausforderte, trennen ihn dagegen Welten. Sowohl bei Hessus wie auch bei Eglisham waren, freilich in unterschiedlicher Ausprägung, interpretatorische Schwächen beim Umgang mit der biblischen Vorlage festzustellen. Der dichtende schottische Arzt begeht dabei etliche ele- mentare Verstöße gegen die Logik oder verfälscht den Sinngehalt der Vorlage. Ferner fehlt seinem Text oft der innere Zusammenhalt, weil kaum Bindewörter für logische gedankliche Strukturierung sorgen. Eglishams eigene ungerechtfer- tigte Kritik an Buchanans vermeintlicher Konjunktionenhäufung ließ ihn offen- sichtlich in dieser Hinsicht über das Ziel hinausschießen. Einige grammatika- lisch bedenkliche Stellen wie die Konstruktion des Verbs sinere mit einem Par- tizip Präsens statt eines Infinitivs zeigen darüber hinaus, dass Eglisham sprach- lich nicht ganz sattelfest ist. Diese mangelnde...

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