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Auf Unendliches bezogen

C. G. Jungs Anschauungen über Christentum und Judentum

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Risto Nurmela

Carl Gustav Jung (1875-1961) war der Begründer der Analytischen Psychologie und Verfasser von zahlreichen Büchern und Schriften. In seinen Arbeiten widmet Jung sich aber keineswegs nur der Psychologie. Ein wenigstens ebenso wichtiges Thema für ihn stellt die Religion dar. Oder, um es mit seinen eigenen Worten zu sagen: «Das Hauptinteresse meiner Arbeit liegt nicht in der Behandlung von Neurosen, sondern in der Annäherung an das Numinose.» In diesem Buch werden seine Äußerungen über das Christentum und das Judentum untersucht und analysiert. Jung ist seit den dreißiger Jahren Antisemitismus vorgeworfen worden. Diese Beschuldigungen werden minutiös abgewogen. Einer von Jungs erbittertsten Gegnern war Martin Buber, dessen Kritik an Jung sowie dessen Erwiderungen erörtert werden. Ein durchgehendes Thema bei Jung ist «die psychische Qualität metaphysischer Figuren», denen dann im zweiten Teil des Buches tiefgehend nachgegangen wird.

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2. Jung und die Religion

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Die entscheidende Frage für den Menschen ist: Bist du auf unendliches bezogen oder nicht? Das ist das Kriterium des Lebens. (Erinnerungen: 327.) Das Thema „Jung und die Religion“ ist so ungemein umfassend gestellt, dass diese Formulierung wie eine Anmaßung klingen mag. Andererseits ist es kei- neswegs das erste Mal, dass jemand sich anschickt, diese Frage zu klären. Ich werde danach bemüht sein, dem Leser einerseits eine kurze Einleitung in die Thematik zu bieten, ihm andererseits einige neue Einsichten zu eröffnen, auf die ich durch mein Studium der Quellen gekommen bin. Zunächst gilt es jedoch, Jungs rein persönliches Verhältnis zur Religion darzustellen. 2.1. Das persönliche Verhältnis Jungs zur Religion Carl Gustav Jung wurde 1875 in Kesswil (Kanton Thurgau in der Schweiz) als erstes Kind von Emilie Jung-Preiswerk und Johann Paul Achilles Jung geboren. Der Vater, der Pfarrer war – auch C. G. Jungs acht Onkel waren Pfarrer –, hatte seinen Sohn schon früh durch mangelnde religiöse Einfühlung enttäuscht: Beim Konfirmationsunterricht hatte er den Abschnitt über die Dreieinigkeit im Kate- chismus überschlagen, weil er laut eigenen Worten selber nichts davon begriffen hatte, während der Sohn doch mit Ungeduld darauf gewartet hatte, dass der Un- terricht zu jenem Abschnitt vorrücken würde. Am Ende seines Lebens, C.G. Jung war damals noch junger Student, hatte der Vater eine Glaubenskrise durch- gemacht und seinen Glauben verloren. „Die Tragik meiner Jugend war”, schrieb Jung in einem Brief aus dem Jahre 1955, „dass...

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