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Auf Unendliches bezogen

C. G. Jungs Anschauungen über Christentum und Judentum

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Risto Nurmela

Carl Gustav Jung (1875-1961) war der Begründer der Analytischen Psychologie und Verfasser von zahlreichen Büchern und Schriften. In seinen Arbeiten widmet Jung sich aber keineswegs nur der Psychologie. Ein wenigstens ebenso wichtiges Thema für ihn stellt die Religion dar. Oder, um es mit seinen eigenen Worten zu sagen: «Das Hauptinteresse meiner Arbeit liegt nicht in der Behandlung von Neurosen, sondern in der Annäherung an das Numinose.» In diesem Buch werden seine Äußerungen über das Christentum und das Judentum untersucht und analysiert. Jung ist seit den dreißiger Jahren Antisemitismus vorgeworfen worden. Diese Beschuldigungen werden minutiös abgewogen. Einer von Jungs erbittertsten Gegnern war Martin Buber, dessen Kritik an Jung sowie dessen Erwiderungen erörtert werden. Ein durchgehendes Thema bei Jung ist «die psychische Qualität metaphysischer Figuren», denen dann im zweiten Teil des Buches tiefgehend nachgegangen wird.

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3. Die psychische Qualität metaphysischer Figuren

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Wie stark das Mittelalter bei uns noch ist, kann man unter anderem daraus ersehen, dass eine so einfache Wahrheit, wie die der psychischen Qua- lität metaphysischer Figuren, den Leuten einfach nicht in den Kopf will (GW 11: § 463). Carl Gustav Jungs Interesse an Religion hängt unauflöslich zusammen mit sei- ner Tätigkeit als Psychiater. In einem Vortrag, den er 1932 vor der Elsässischen Pastoralkonferenz zu Straßburg hielt, stellte er fest: Unter allen meinen Patienten jenseits der Lebensmitte, das heißt jenseits 35, ist nicht ein Einziger, dessen endgültiges Problem nicht das der religiösen Einstellung wäre. Ja, jeder krankt in letzter Linie daran, dass er das verloren hat, was lebendige Reli- gionen ihren Gläubigen zu allen Zeiten gegeben haben, und keiner ist wirklich ge- heilt, der seine religiöse Einstellung nicht wieder erreicht, was mit Konfession oder Zugehörigkeit zu einer Kirche natürlich nichts zu tun hat.210 Dreizehn Jahre später gab er in einem Brief zu, dass das Hauptinteresse seiner Arbeit „nicht in der Behandlung von Neurosen, sondern in der Annäherung an das Numinose“ läge. Das obige Zitat lässt aber verstehen, dass zwischen Be- handlung von Neurosen und Annäherung an das Numinose kein Gegensatz be- steht. Jung hielt es auch für „ungemein wichtig“, dass den Kindern Märchen und Legenden erzählt, und den Erwachsenen religiöse Begriffe (dogmata) beigebracht werden, weil sie instrumentelle Symbole darstellen, mittels welcher unbewusste Inhalte ins Bewusstsein übergeleitet und dort...

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