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Der strafrechtliche Schutz der menschlichen Leibesfrucht nach deutschem und griechischem Recht

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Angeliki Valsamidou

Diese Arbeit soll untersuchen, ob und inwieweit die menschliche Leibesfrucht strafrechtlich vor Einwirkungen geschützt wird, die ihren Tod oder eine körperliche Schädigung intrauterin oder postnatal zur Folge haben. Neben der deutschen Rechtslage werden auch die griechischen strafrechtlichen Normen rechtsvergleichend nachgeforscht, um die Besonderheiten der beiden Rechtssysteme hervorzuheben. Eine abschließende Prüfung des moralischen Status der Leibesfrucht im Lichte der liberalen Strafrechtslehre soll der Beantwortung der Frage dienen, ob die Leibesfrucht überhaupt strafrechtlich schützenswert ist. Das Abwägungsergebnis führt schließlich zu einem Vorschlag de lege ferenda.

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3. Teil: Die Stellung der Leibesfrucht in der deutschen Rechtsordnung

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I. Die Grundlagen eines strafrechtlichen Schutzes der Leibesfrucht im deutschen Grundgesetz Vor einer Untersuchung der Schutzoptionen, die das Strafrecht der Leibesfrucht gegen Beeinträchtigungen bietet, welche ihr Leben oder ihre Gesundheit bzw. normale Entwicklung in Gefahr setzen, ist eine Prüfung des verfassungsrechtli- chen Status der Leibesfrucht nicht nur sinnvoll, sondern auch notwendig. Denn Zweck des strafrechtlichen Schutzes ist es, das freie und friedliche Zusammen- leben der Bürger dadurch sicherzustellen, dass er alle verfassungsrechtlich ga- rantierten Grundrechte gewährleistet.153 Im Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland vom 23. Mai 1949 ha- ben die Grundrechte erheblich an Relevanz gewonnen, da sie nunmehr die Ge- setzgebung, Rechtsprechung und Lehre sehr stark beeinflussen, und zwar in al- len Rechtsgebieten, sogar auch in dem des Privatrechts, anders als unter der libe- ralen Tradition der Weimarer Reichsverfassung von 1919.154 Die Grundrechte aus dem weiten Grundrechtskatalog des Grundgesetzes, die am stärksten den Diskurs rund um die Biomedizin und den pränatalen Schutz prägen, sind insbe- sondere die Menschenwürde (Art. 1 Abs. 1 GG) und das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit (Art. 2 Abs. 2 S. 1 GG). Die Untersuchung dieser Grundrechte zum Zweck der Aufdeckung einer möglichen Schutzvorsorge für die Leibesfrucht gegen schädigende Beeinträchtigungen stellt den Gegenstand der folgenden Analyse dar. Die Erörterung wird mit dem Grundrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit beginnen, obwohl es in weitem Umfang auf dem Menschenwürdeschutz des Art. 1 Abs. 1 GG beruht, der die Achtung und den...

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