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Der strafrechtliche Schutz der menschlichen Leibesfrucht nach deutschem und griechischem Recht

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Angeliki Valsamidou

Diese Arbeit soll untersuchen, ob und inwieweit die menschliche Leibesfrucht strafrechtlich vor Einwirkungen geschützt wird, die ihren Tod oder eine körperliche Schädigung intrauterin oder postnatal zur Folge haben. Neben der deutschen Rechtslage werden auch die griechischen strafrechtlichen Normen rechtsvergleichend nachgeforscht, um die Besonderheiten der beiden Rechtssysteme hervorzuheben. Eine abschließende Prüfung des moralischen Status der Leibesfrucht im Lichte der liberalen Strafrechtslehre soll der Beantwortung der Frage dienen, ob die Leibesfrucht überhaupt strafrechtlich schützenswert ist. Das Abwägungsergebnis führt schließlich zu einem Vorschlag de lege ferenda.

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4. Teil: Die Stellung der Leibesfrucht in der griechischen Rechtsordnung

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Eine rechtsvergleichende Untersuchung des rechtlichen Status der Leibesfrucht nach deutschem und griechischem Recht ist aus vielerlei Sicht möglich und sinnvoll. Denn die beiden Rechtsordnungen erfüllen die Kriterien, die in der Lehre der Rechtsvergleichung als maßgebend für die Beurteilung von verschie- denen Rechtsordnungen als vergleichbar angenommen werden. Früher wurden mehrere Kriterien der Vergleichbarkeit vorgeschlagen, z.B. dass die Rechtsord- nungen in ähnlicher Weise konstruiert sind, oder dass sie Staaten mit ähnlichen gesellschaftlichen Grundlagen bzw. Völker mit ähnlichen Kulturen betreffen.445 Heute wird die funktionelle Gleichheit der Rechtsordnungen als entscheidendes Kriterium vorgezogen, nämlich ob sie gleiche Probleme und gleiche Lebenssitu- ationen regeln.446 Die griechische Rechtsordnung gehört zu den westlichen Rechten und wird zwischen dem romanischen und dem germanischen Rechtskreis positioniert; sie ist unter erheblichem Einfluss sowohl des französischen als auch des deutschen Rechtssystems entwickelt worden und ist nach h.M. zwischen den beiden Unter- gruppen einzuordnen.447 Das deutsche Recht hat einen besonderen Einfluss auf das griechische Strafrecht gehabt, da die Grundlagen des heute geltenden grStGB in der Zeit der Regentschaft des minderjährigen Königs Otto (1833- 1835) vom bayerischen Juristen Georg Ludwig von Maurer gelegt worden sind.448 Die grundsätzliche Ähnlichkeit der griechischen und der deutschen Rechtsordnung bzw. die Regelung von gleichen Rechtsproblemen in verwand- ten, kontinentaleuropäischen Gesellschaften macht eine Vergleichung der Rechtslage betreffs des Status der Leibesfrucht möglich und sinnvoll. 445 Mehr in: Constantinesco, Die rechtsvergleichende Methode, S. 106ff. 446 Deligianni-Dimitrakou, Einführung in die Rechtsvergleichung, S. 31. 447 Deligianni-Dimitrakou, Einführung...

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