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Der strafrechtliche Schutz der menschlichen Leibesfrucht nach deutschem und griechischem Recht

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Angeliki Valsamidou

Diese Arbeit soll untersuchen, ob und inwieweit die menschliche Leibesfrucht strafrechtlich vor Einwirkungen geschützt wird, die ihren Tod oder eine körperliche Schädigung intrauterin oder postnatal zur Folge haben. Neben der deutschen Rechtslage werden auch die griechischen strafrechtlichen Normen rechtsvergleichend nachgeforscht, um die Besonderheiten der beiden Rechtssysteme hervorzuheben. Eine abschließende Prüfung des moralischen Status der Leibesfrucht im Lichte der liberalen Strafrechtslehre soll der Beantwortung der Frage dienen, ob die Leibesfrucht überhaupt strafrechtlich schützenswert ist. Das Abwägungsergebnis führt schließlich zu einem Vorschlag de lege ferenda.

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6. Teil: Der strafrechtliche Schutz der Leibesfrucht de lege ferenda in Deutschland und in Griechenland

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217 6. Teil: Der strafrechtliche Schutz der Leibes- frucht de lege ferenda in Deutschland und in Griechenland Es wurde bereits festgestellt, dass die Mehrheit der Verhaltensweisen, die den Tod oder die körperliche bzw. gesundheitliche Schädigung einer Leibesfrucht oder des sich aus ihr entwickelnden Menschen verursachen, nicht strafrechtlich sanktioniert wird. In Deutschland ist lediglich die vorsätzliche Abtötung der Leibesfrucht als Schwangerschaftsabbruch gemäß § 218 StGB unter Strafe ge- stellt worden, während in Griechenland neben der vorsätzlichen Abtötung als Schwangerschaftsabbruch (Art. 304 grStGB) auch die Körperverletzung einer Leibesfrucht durch pränatales, vorsätzliches und rechtswidriges Verhalten (Art. 304A grStGB) sanktioniert wird. Die Abtötung bzw. die Schädigung der Leibes- frucht oder des aus ihr hervorgehenden Kindes durch fahrlässiges Verhalten bleibt allerdings in beiden Ländern straflos, obwohl solche Beeinträchtigungen wohl die überwiegende Mehrheit der Gefahrensituationen im pränatalen Ent- wicklungsstadium darstellen dürften. Es ist schon detailliert dargelegt worden, dass die Verfassungsordnungen beider Länder das pränatale Leben jedenfalls ab dem Zeitpunkt der Nidation als verfassungsrechtlich geschütztes Rechtsgut an- erkannt haben, dessen Leben, Gesundheit und Menschenwürde nicht nur objek- tiv geschützt werden, sondern nach h.M. als Grundrechte eines eigenständigen Grundrechtsträgers gewährleistet sind; dieser subjektive Schutz soll jedoch eine Abwägung der Rechte der Leibesfrucht mit dem höheren Schutz der Rechte ei- nes geborenen Menschen nicht ausschließen. Die Frage, ob schädigende Verhaltensweisen gegen das vorgeburtliche Le- ben, die zurzeit tatbestandslos sind, doch strafrechtlich...

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