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Schiller

Ethik, Politik und Nemesis im Drama

Wolfgang Wittkowski and Stephanie Kufner

Die in diesem Buch gesammelten neuen und überarbeiteten Interpretationen aller großen Dramen Schillers nach den Räubern akzentuieren die Moralpsychologie der Charaktere und die Rolle der Nemesis. Zentrum ist Schillers Demontage des Ideologen Marquis Posa. Den Anstoß schon zur ersten Fassung des Kapitels gab die damalige Studentin Stephanie Kufner. Sie kommt in Auseinandersetzung mit der hier besonders engagierten Forschung zu Wort sowie mit Seminarreferaten zu Fiesko und Kabale und Liebe. Sie klärt die Moralpsychologie der Charaktere und das anvisierte Regenten-Ideal. Im Gegensatz zu dessen Milde stattet die meist übersehene Nemesis ihre Werkzeuge mit einem Tätertum aus, das man etwa an Maria Stuart bemängelt und bei Tell sogar ersetzt durch unangebrachtes Schuldgefühl wegen des Tyrannenmordes statt wegen des dafür notwendigen Schusses auf das Kind.

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Stefanie Kufner

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Die Verschwörung des Fiesco zu Genua: Wer ist der Größte? Interpretationen zu Schillers Fiesco1 lassen sich weitgehend einteilen in politische und unpolitische. Die rein politischen pflegen den bin- dungslosen, egoistischen und ehrgeizigen Aristokraten Fiesco dem Vertreter republikanischer Tugenden, Verrina, gegenüberzustellen.2 Andere politische Interpretationen drehen das Ganze gewissermaßen um und sehen in Fiesco eher den großen politischen Helden und Vorkämpfer politischer Ideale. So schreibt Leibfried, daß hier, wie schon in den Räubern, der große, starke Einzelne als Garant einer möglichen, verbessernden Änderung auftrete.3 Berghahn zählt Fiesco sogar zu denjenigen, die für „die Ideale des Rechts, der Liebe und Freiheit“ kämpfen, zu Karl Moor, Ferdinand und Marquis Posa.4 Einen ganz anderen Ansatz legt Ilse Graham in einer ausführ- lichen und sehr genauen Textanalyse vor. 5 Leicht überarbeitete Seminar-Arbeit. Im Gegensatz zu vielen anderen Kritikern, die Fiesco als einen Mann der Tat und des politi- schen Ehrgeizes darstellen, sieht sie in Fiescos Handlungen nichts Praktisches, Zielbewußtes, Dringlich-Zweckvolles. Ihrer Meinung nach herrscht ganz das Spielerische vor, d.h. eine immer gleiche spielerische Haltung, die Fiesco in den verschiedensten Situationen einnimmt. Während alle anderen Figuren nach einem bestimmten Ziel strebten, reagiere Fiesco in diametralem Gegensatz dazu auf jede Situation desinteressiert und jederzeit ästhetische Distanz bewah- rend. Entsprechend dieser These vollziehe sich sein Handeln in 1 Zitiert nach: Friedrich Schiller. Sämtliche Werke. Hgg. G. Fricke und H.G. Göpfert. München (Hanser) 1985. Erster Band. 2 Vgl. Paul Michael Lützeler...

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