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Imaginationen der inneren Welt

Theologische, psychologische und ästhetische Reflexionen zur spirituellen Dimension der Kunst

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Wilhelm Gräb and Jérôme Cottin

Die zeitgenössische Kunst ermöglicht religiöse Erfahrung. So ist zu beobachten, dass die Kirchen ihre Räume dem künstlerischen Schaffen der Gegenwart öffnen. Sie integrieren die ästhetische Ausdruckskultur unserer Zeit in den religiösen Raum wie auch in die gottesdienstliche Feier und gestalten sie auf diese Weise um. Die Beiträge dieses Bandes reflektieren diese dialektische Bewegung. Sie leisten damit einen theoretischen Beitrag zur Praxis einer neuen Religionsästhetik, in der die spirituelle Dimension der Kunst ebenso Anerkennung finden soll wie die ästhetische Dimension der Religion.

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Regine Hunziker-Rodewald: Bild und Wort im Gespräch mit Gott Gedanken zur Kommunikationspragmatik in Psalm 91

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Bild und Wort im Gespräch mit Gott Gedanken zur Kommunikationspragmatik in Psalm 91 Regine Hunziker-Rodewald, Strasbourg Hinführung In der historischen Novelle „Das Amulett“1 von Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898) aus dem Jahre 1873 werden wir zu Beginn des sechsten Kapitels Zeugen einer dramatischen Begebenheit. Der Ich-Erzähler Schadau, ein Huge- notte, wird in Paris von dem Katholiken Graf Guiche frühmorgens in einem ver- lassenen Garten zum Duell herausgefordert. Schadau erzählt: „Zwei lange Stoßklingen wurden uns geboten. Der Kampf begann und ich merkte bald, daß ich einem an Behendigkeit mir überlegenen und dabei völlig kaltblütigen Gegner gegenüberstehe. Nachdem er meine Kraft mit einigen spielenden Stößen wie auf dem Fechtboden geprüft hatte, wich seine nachlässige Haltung. Es wurde tödli- cher Ernst. … Blitzschnell kam der Stoß, aber die geschmeidige Stahlklinge bog sich hoch auf, als träfe sie einen harten Gegenstand …“. Der „harte Gegenstand“ war ein Medaillon mit dem Bild der Muttergottes von Einsiedeln, das der Katholik Boccard seinem Freund Schadau direkt vorher un- bemerkt in die Brusttasche hatte gleiten lassen. Das Medaillon mit der Funktion eines Amuletts hat dann den Degenstoss, der Schadaus Herz galt, aufgehalten.2 Erzählerisch ist hier ein Bildträger als Amulett präsentiert. In leichter Abwandlung begegnet dasselbe Motiv in Boris Pasternaks Ro- man „Doktor Schiwago“, der 1958 in deutscher Übersetzung erschien.3 Hier fällt aus dem geöffneten Hemd des für tot gehaltenen Weißgardisten Serjoscha ein „goldenes Etui“ heraus, das wie „durch einen...

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