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Die Naturbeschreibung im «Journal» von Henry David Thoreau

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Wilfried Koch

Die Arbeit geht der Frage nach, wie das Tagebuch als Textformat und Schreibort in Verbindung mit der Beschreibung die Erforschung, Darstellung und Erfahrung von Natur und Landschaft prägt. Unter Einbeziehung von Konzepten der kognitiven Narratologie sowie räumlich-visueller und transmedialer Aspekte werden in textnahen Analysen strukturelle Probleme des beschreibenden Textes (Metapher, Metonymie) und Verfahren des Rekonstruierens und Simulierens von Naturerfahrung als Umsetzung von Wahrnehmung in Text erörtert. Das Journal von Henry David Thoreau erweist sich als Versuch, auf der Basis der Naturästhetik des Picturesque durch schreibend-reflektierendes Erinnern eine zur Entdeckung befähigte Form von Subjektivität als verdichtetes Gewahrsein von Welt- und Selbsterfahrung in wechselnden Außen- und Innenansichten zu projizieren.

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Einleitung

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Thema der Dissertation ist die literarisch-naturwissenschaftliche Beschreibung im Journal von Henry David Thoreau von 1837 bis 1861. Dabei wird die Deskription als sprachliches Medium der Umsetzung von Naturerfahrung in Text, der Natur- forschung und ästhetischen Weltaneignung verstanden. Als vorherrschender Aus- drucksmodus bildet sie den Schlüssel zur Reflektion von Wahrnehmung und zum Verständnis der textuellen Binnenstruktur des Tagebuches. Im Vordergrund des Erkenntnisinteresses steht die Entwicklung einer schreibend gestalteten Naturäs- thetik unter Einbeziehung stilistischer Aspekte der Deskription und der Selbstdar- stellung durch die Tagebuchpersona. Damit will die Arbeit eine Lücke in der Thoreau-Forschung schließen und einen Beitrag zur Deskriptions- und Tagebuch- forschung leisten. Der Aspekt der Naturbeschreibung wurde gewählt, weil diese ab 1850 ungefähr zwei Drittel des Textvolumens einnimmt und trotz gelegentli- cher Hinweise auf die Beschreibungstechnik Thoreaus sich bislang keine Studie damit eingehend befaßt hat. Da die Beschreibung als elementare Form der Reprä- sentation und diskursiver Modus in der traditionellen Rhetorik wie in der Litera- turwissenschaft wenig Beachtung findet, wird in Kapitel 2 eine Theorieskizze des beschreibenden Textes unter Einbeziehung von Ansätzen aus Textsemiotik und kognitiver Lingustik entworfen. Das Journal bietet ein breites Spektrum von nach Gegenstand, Szenario und Stil vielfältigen Beschreibungen sowie den seltenen Fall, daß ein Autor bei der Textgestaltung eines so umfänglichen Werkes auf die Deskription als literarische Strategie und das Tagebuch als Sammelform bzw. offene Form expositorischen Schreibens zwischen Essay, Rede und Traktat setzt.1 Die Fragestellung erlaubt Einblick in Entstehung, Gestaltung und Struktur ein- zelner...

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