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Die Naturbeschreibung im «Journal» von Henry David Thoreau

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Wilfried Koch

Die Arbeit geht der Frage nach, wie das Tagebuch als Textformat und Schreibort in Verbindung mit der Beschreibung die Erforschung, Darstellung und Erfahrung von Natur und Landschaft prägt. Unter Einbeziehung von Konzepten der kognitiven Narratologie sowie räumlich-visueller und transmedialer Aspekte werden in textnahen Analysen strukturelle Probleme des beschreibenden Textes (Metapher, Metonymie) und Verfahren des Rekonstruierens und Simulierens von Naturerfahrung als Umsetzung von Wahrnehmung in Text erörtert. Das Journal von Henry David Thoreau erweist sich als Versuch, auf der Basis der Naturästhetik des Picturesque durch schreibend-reflektierendes Erinnern eine zur Entdeckung befähigte Form von Subjektivität als verdichtetes Gewahrsein von Welt- und Selbsterfahrung in wechselnden Außen- und Innenansichten zu projizieren.

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Kapitel 2: Theorie der Beschreibung

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2.1 Zur Theorie des beschreibenden Textes Derzeit liegen keine vergleichbaren Begriffssysteme für die Analyse der Beschrei- bung vor, die in Poetiken der Erzählung untergeordnet oder ignoriert wird,63 eine Auffassung, die in die antike Rhetorik zurückreicht, wo die “descriptio” kein eigenes Gebiet mit spezifischen Formprinzipien beanspruchend in der Gattung “genus demonstrativum” unter Bezug auf die bildhafte Lebendigkeit der Erzäh- lung eines Redners subsumiert wurde.64 Die Theoriediskussion der letzten Jahr- zehnte wurde auf diesem Gebiet vorwiegend in der Romanistik geführt, weshalb die wenigen Studien zur Theorie der Beschreibung von einem strukturalistisch- textsemiotischen Textverständnis geleitet sind.65 Diese behandeln sie als Textform neben Erzählung und Argumentation, bei der ein Objekt durch ein sprachlich vordefiniertes Feld von Bedeutungen bezeichnet und umschrieben wird in refe- rentiellem wie nicht-referentiellem Sprachgebrauch.66 Beim Beschreiben wird das Objekt herauspräpariert durch metonymisches Zerlegen in thematisch relevante Bestandteile und vergleichendes Ausleuchten vermittels Metaphern, wobei weni- ger der Gegenstand als ein sprachlich strukturiertes Wissenssegment vorgeführt und der Vorstellung zugänglich gemacht wird. Gegenstand oder Thema fungieren als Stichwort für das Auslösen der Textmaschinerie bzw. Präparieren der Oberflä- che, auf die kulturelles Wissen als präexistenter Text projiziert wird. Dabei be- 63 Zu einem ähnlichen Befund kommt Ansgar Nünning, “Towards a Typology, Poetics and History of Description in Fiction” in: Werner Wolf, Walter Bernhart (Hrsg.) Description in Literature and other Media (Amsterdam & New York: Rodopi, 2007): 91-128. Eine kurze historische Einführung bieten Jean-Michel Adam, A. Petitjean, Le Texte...

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