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Zwischen kultureller Identitätsbildung und Kompetenzentwicklung

Aktueller Stand und Perspektiven des landessprachlichen Unterrichts in Deutschland und Frankreich

Julia Brake

Die Entstehung eines europäischen Bildungsraums schreitet stetig voran. Auch im allgemeinbildenden Schulwesen sind seit einigen Jahren internationale Vereinheitlichungstendenzen spürbar. Bei näherer Betrachtung wird jedoch erkennbar, dass die Bildungssysteme nach wie vor eine starke Bindung an nationale Bildungs- und Erziehungstraditionen aufweisen. Das gilt besonders für das französische und das deutsche Schulwesen. Diese Arbeit vergleicht die konzeptionellen, strukturellen und didaktischen Rahmenbedingungen von öffentlicher Bildung und Erziehung in Deutschland und Frankreich. Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt auf einer detaillierten Analyse des landessprachlichen Unterrichts und seiner Kernbereiche Sprache und Literatur aus allgemeindidaktischer und fachdidaktischer Sicht.

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3. Strukturelle Rahmenbedingungen: Der französische parcours scolaire und die deutschen Bildungswege

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Der Stellenwert institutionalisierter Bildung und Erziehung innerhalb eines Staa- tes und einer Gesellschaft lässt sich unter anderem am finanziellen und organisa- torischen Aufwand ablesen, der in Infrastruktur, Personal und Ausstattung der Schulen investiert wird. Der statistische Vergleich der öffentlichen Ausgaben für Bildungseinrichtungen als Anteil vom Bruttoinlandsprodukt ergibt, dass die In- vestitionen für das Erziehungswesen in Frankreich über dem Durchschnitt der OECD-Länder liegen, während die Finanzierung in Deutschland deutlich unter- durchschnittlich ist.192 Anhand dieser sehr allgemeinen Zahlen lassen sich nur begrenzt Schlüsse hinsichtlich des staatlichen und gesellschaftlichen Wertes von Bildung und Erziehung ziehen. Der am Bruttoinlandsprodukt gemessene finan- zielle Aufwand mag aussagekräftig bezüglich der Bedeutung sein, die dem Schulwesen im Gesamtgefüge der öffentlichen Aufgaben zukommt, jedoch ist letztlich ausschlaggebend, wie dieses Budget systemintern verteilt wird. Durch die (de)zentrale Organisation des französischen Erziehungswesens193 obliegt die Vorgabe der Richtlinien für den Aufbau des Schul- und Ausbildungswesens, für die Gestaltung der Lehrpläne und Vergabe der Abschlüsse, die Ausbildung und Besoldung des gesamten pädagogischen Personals sowie die Verteilung der fi- nanziellen Mittel dem Ministère de l’éducation nationale.194 Organisatorisch, finanziell und inhaltlich ist das französische Erziehungswesen also um größt- mögliche Einheitlichkeit bemüht. Diesem Homogenitätsbestreben steht das Wettbewerbsprinzip des deutschen Föderalismus gegenüber, das sich im Bildungswesen stärker als in vielen ande- ren Bereichen des öffentlichen Sektors bemerkbar macht. Die Kulturhoheit der 192 Vgl. die Tabelle 10.1 im Anhang (Staatliche Ausgaben f...

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