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Zwischen kultureller Identitätsbildung und Kompetenzentwicklung

Aktueller Stand und Perspektiven des landessprachlichen Unterrichts in Deutschland und Frankreich

Julia Brake

Die Entstehung eines europäischen Bildungsraums schreitet stetig voran. Auch im allgemeinbildenden Schulwesen sind seit einigen Jahren internationale Vereinheitlichungstendenzen spürbar. Bei näherer Betrachtung wird jedoch erkennbar, dass die Bildungssysteme nach wie vor eine starke Bindung an nationale Bildungs- und Erziehungstraditionen aufweisen. Das gilt besonders für das französische und das deutsche Schulwesen. Diese Arbeit vergleicht die konzeptionellen, strukturellen und didaktischen Rahmenbedingungen von öffentlicher Bildung und Erziehung in Deutschland und Frankreich. Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt auf einer detaillierten Analyse des landessprachlichen Unterrichts und seiner Kernbereiche Sprache und Literatur aus allgemeindidaktischer und fachdidaktischer Sicht.

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5. Kulturelle Identitätsbildung und Kompetenzentwicklung II: Kernbereich Sprache

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5. Kulturelle Identitätsbildung und Kompe- tenzentwicklung II: Kernbereich Sprache 5.1 Muttersprache – Nationalsprache – Landessprache Die Themenformulierung dieser Arbeit, ebenso wie die aktuelle Situation des Faches Deutsch / Französisch, machen es notwendig, der Lehrplananalyse eine kurze Reflexion über die Bezeichnung des untersuchten Gegenstandes voranzu- schicken. Würde es sich dabei allein um den Deutschunterricht in Deutschland handeln, so erübrigte sich diese Diskussion. Die länderübergreifende Perspekti- ve erfordert jedoch einen Oberbegriff, mit dem der Deutsch- und der Franzö- sischunterricht gleichzeitig erfasst werden können. Im bisherigen Verlauf der Arbeit wurde auf den Ausdruck „landessprachlicher Unterricht“ zurückgegrif- fen, da die Bezeichnung „muttersprachlicher Unterricht“ innerhalb des fachdi- daktischen Diskurses in den letzten Jahren als nicht mehr zeitgemäß beurteilt wird. Der Ausdruck „Muttersprache“ impliziert zwei einander ergänzende Ausle- gungsvarianten: Auf den Personalisationsprozess des Kindes bezogen ist die Muttersprache die Erstsprache, die das Kind in den ersten Lebensjahren in ge- sprochener Form – zumeist von der Mutter als wichtigster Bezugsperson – in ungesteuerter Lernsituation erwirbt. Daraus leitet sich das Verständnis des mut- tersprachlichen Unterrichts ab als „Unterricht […] mit dem Ziel, der nachwach- senden Generation diejenigen Register und Funktionalstile zu vermitteln, die im vorschulischen Erstspracherwerb nicht erworben werden“.379 Er ist also Unter- stützung und Ergänzung des Erstspracherwerbs, und ihm kommt insbesondere auch die Entwicklung der schriftlichen Form der Muttersprache zu. Die zweite Auslegungsvariante des Muttersprachenunterrichts bezieht sich auf den Soziali- sations- und Enkulturationsprozess des Kindes: Mit der Weitergabe der Mutter- sprache werden zugleich das Weltbild und die Wert-...

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