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Zwischen kultureller Identitätsbildung und Kompetenzentwicklung

Aktueller Stand und Perspektiven des landessprachlichen Unterrichts in Deutschland und Frankreich

Julia Brake

Die Entstehung eines europäischen Bildungsraums schreitet stetig voran. Auch im allgemeinbildenden Schulwesen sind seit einigen Jahren internationale Vereinheitlichungstendenzen spürbar. Bei näherer Betrachtung wird jedoch erkennbar, dass die Bildungssysteme nach wie vor eine starke Bindung an nationale Bildungs- und Erziehungstraditionen aufweisen. Das gilt besonders für das französische und das deutsche Schulwesen. Diese Arbeit vergleicht die konzeptionellen, strukturellen und didaktischen Rahmenbedingungen von öffentlicher Bildung und Erziehung in Deutschland und Frankreich. Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt auf einer detaillierten Analyse des landessprachlichen Unterrichts und seiner Kernbereiche Sprache und Literatur aus allgemeindidaktischer und fachdidaktischer Sicht.

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6. Kulturelle Identitätsbildung und Kompetenzentwicklung III: Kernbereich Literatur

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6. Kulturelle Identitätsbildung und Kompe- tenzentwicklung III: Kernbereich Literatur Zu Beginn dieser Arbeit wurden bereits einige Überlegungen zu den einzelnen Begriffen Kultur, Nation, Identität und ihrem Verhältnis zueinander angestellt. „Kultur“ und „Sprache“ erwiesen sich dabei neben „Geschichte“ und „Traditi- on“ als Referenzen zur Generierung der Nation als Einheit mit vorwiegend poli- tischer Funktion.654 Die Bedeutung, die die Sprache für das Individuum ebenso wie für eine größere Gemeinschaft bei der kulturellen Identitätsbildung ein- nimmt, ist im vorangegangenen Abschnitt kulturtheoretisch, sprachhistorisch und auch fachdidaktisch herausgearbeitet worden. Die gleichen Überlegungen lassen sich auch für die Literatur anstellen, die den zweiten – und in höheren Schulstufen oftmals gewichtigeren – Kernbereich des landessprachlichen Unter- richts darstellt. Etymologisch verweist der Begriff „Literatur“ auf das lateinische Wort litte- ra = Buchstabe, woraus sich seine ursprüngliche Bedeutung, „das mit Buchsta- ben Aufgezeichnete“,655 ableitet. Insofern ist „Literatur“ zunächst ein Synonym für die schriftlich fixierte Sprache gewesen. Auch gegenwärtig existieren sehr weit gefasste Definitionen von Literatur, die der etymologischen Bedeutung treu bleiben: „In allgemeinster Wortbedeutung bezeichnet in neuerer Zeit Literatur alle textlich fixierten Äußerungen als Resultate geistiger Tätigkeit.“656 Insofern besteht die kulturbildende Funktion von Literatur zunächst darin, Sprache zu konservieren und die Überlieferung kultureller Inhalte zu erleichtern. Genau wie der Sprache selbst kommt ihr also eine mediale Funktion zu. Die sprachhistorische Forschung mag sich mit einer solchen Auffassung von Literatur begnügen; aus kultur- und vor allem aus literaturwissenschaftlicher Sicht ist es jedoch unzureichend, Literatur...

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