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Zwischen kultureller Identitätsbildung und Kompetenzentwicklung

Aktueller Stand und Perspektiven des landessprachlichen Unterrichts in Deutschland und Frankreich

Julia Brake

Die Entstehung eines europäischen Bildungsraums schreitet stetig voran. Auch im allgemeinbildenden Schulwesen sind seit einigen Jahren internationale Vereinheitlichungstendenzen spürbar. Bei näherer Betrachtung wird jedoch erkennbar, dass die Bildungssysteme nach wie vor eine starke Bindung an nationale Bildungs- und Erziehungstraditionen aufweisen. Das gilt besonders für das französische und das deutsche Schulwesen. Diese Arbeit vergleicht die konzeptionellen, strukturellen und didaktischen Rahmenbedingungen von öffentlicher Bildung und Erziehung in Deutschland und Frankreich. Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt auf einer detaillierten Analyse des landessprachlichen Unterrichts und seiner Kernbereiche Sprache und Literatur aus allgemeindidaktischer und fachdidaktischer Sicht.

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8. Abschließende Überlegungen

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8.1 Zusammenfassung der Ergebnisse Das Ziel der vorliegenden Dissertation war die Erarbeitung eines detaillierten Vergleichs des landessprachlichen Unterrichts in Deutschland und Frankreich unter Berücksichtigung seiner historischen, bildungspolitischen und schulpäda- gogischen Rahmenbedingungen. Auf Basis der vorangegangenen Überlegungen und Analysen können nun abschließend die folgenden Ergebnisse zusammenge- fasst werden: Trotz der europäischen Vereinheitlichungstendenzen, trotz PISA und der In- ternationalisierung der politischen und gesellschaftlichen Handlungsfelder be- stehen Unterschiede sowohl auf der makrostrukturellen Ebene des Schulsys- tems, als auch im mikrostrukturellen Bereich des Fachunterrichts, und sie sind (noch) so signifikant, dass man hier ohne weiteres von nationalen Paradigmen sprechen kann. Die jeweiligen Erziehungs- und Bildungskonzeptionen sind das Resultat einer jahrhundertelangen kulturgeschichtlichen und politischen Ent- wicklung zweier Staaten, die trotz ihrer geographischen Nähe und ihrer Einbin- dung in den europäischen Kulturraum verschiedene Wege beschritten haben. Das neuhumanistische Bildungskonzept und die romantisch-idealistische Kind- heitsvorstellung stehen für eine spezifisch deutsche Auffassung von Entfaltung und Persönlichkeitsbildung. Auch wenn Werte wie Individualisierung, Plurali- sierung und Differenzierung längst zu Merkmalen des demokratischen Pluralis- mus in den Staaten der Europäischen Union geworden sind, blieben sie dem französischen Erziehungswesen bis heute weitgehend fremd. Dort dominieren nach wie vor der Rationalitätsgedanke und die national- und gesellschaftspoliti- sche Funktionalisierung der Ziele von Schule und Unterricht. Die größten Divergenzen bestehen wohl im Bereich der Struktur des Bil- dungswesens, die nicht ausschließlich, aber unter anderem auch eine Konse- quenz aus den jeweiligen Erziehungs- und Bildungskonzepten darstellt: Mit der bestmöglichen F...

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