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Pausengestaltung als Organisationspflicht

Konsequenzen des europäischen und deutschen Arbeitszeitrechts

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Lars-Peter Maier

Angesichts von strukturellen Veränderungen in der heutigen Arbeitswelt haben vor allem psychische Belastungsfaktoren zugenommen, während die bisherigen Belastungsfaktoren unvermindert fortbestehen. Die Forderung nach einer angemessenen Pausengestaltung zur Gewährleistung einer menschengerechten Gestaltung der Arbeit hat deshalb nach wie vor nicht an Bedeutung verloren. Es werden deshalb zunächst die europäischen Vorgaben zur Pausengestaltung untersucht. Da die im Weiteren dargestellten nationalen gesetzlichen Anforderungen den Mindeststandards der Arbeitszeit- und Arbeitsschutzrahmenrichtlinie nicht entsprechen, ist eine richtlinienkonforme Auslegung des gesamten nationalen Rechts anzustellen. Im Folgenden werden die Möglichkeiten der Rechtsdurchsetzung durch die Arbeitsschutzbehörden sowie die Individualrechte der Beschäftigten beleuchtet. Abgerundet wird die Untersuchung durch eine nähere und eingehende Betrachtung der Beteiligungsrechte des Betriebsrates.

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1. Kapitel: Arbeitswissenschaftliche Grundlagen

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I. Die historische Entwicklung der modernen Arbeitspause Zunächst einmal soll die historische Entwicklung zur Herausbildung der modernen Arbeitspause betrachtet werden, um ein Verständnis dafür zu entwickeln, woher die Forderung nach einer angemessenen Pausengestaltung eigentlich kommt. Die Beschränkung des Arbeitstages war eine der ersten und wichtigsten Forde- rungen der Arbeiterbewegung. Die überlangen Arbeitszeiten zu Beginn der indus- triellen Revolution führten zu Gesundheitsschädigungen und zu frühzeitigem Ver- schleiß der Arbeitskraft.9 Um dem Raubbau an der Gesundheit der Arbeitnehmer entgegenzuwirken, sind zahlreiche Arbeitzeitverkürzungen vorgenommen worden. Mit dem Übergang zum modernen industriellen Kapitalismus erhöhte sich aber die Arbeitsintensität. Die Arbeitszeit sollte ökonomischer genutzt werden, weshalb man beispielsweise versuchte Leerzeiten und willkürliche Pausen zu verringern. 1. Das Taylor’sche System Die Rationalisierung und Ökonomisierung der in den Industriebetrieben noch vor- herrschenden Handarbeit erfuhr große Fortschritte durch Frederick W. Taylor, der als Vater des „scientific management“, der wissenschaftlichen Betriebsführung gilt. Taylor stellte sich die Aufgabe, die Leistungen der menschlichen Arbeitskräfte zu steigern.10 Durch Beobachtung und Zerlegung von Arbeitsabläufen, deren Zeitstu- dien und Eliminierung von unnützen Bewegungen entwickelte Taylor für jeden Ar- beitsablauf die „one best way“ Methode. Als Resultat sollten möglichst ökonomische Abläufe hervorgehen, ohne Überforderung des Arbeitnehmers durch Übermüdung, Überlastung oder zu hohes Arbeitstempo. Um eine ausreichende Erholung zu ge- währleisten, wurden deshalb auch Erholungspausen in den Arbeitsprozess einkalku- liert.11 Taylor begreift die Arbeitspause als eine der vielen Möglichkeiten, maximale Leistung zu erzielen. Die...

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