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Dänemarks und Deutschlands Kultursolidarität über Grenzen

2., erweiterte Auflage

Christian Gellinek

Der Dänische Gesamtstaat ergriff während des 18. und 19. Jahrhunderts Maßnahmen von Kulturpatronage, die sich auch auf den Landesteil Schleswig-Holstein bezogen. Die Kopenhagener Regierung gewährte trotz eigener Finanzschwierigkeiten regelmäßig Stipendien an begabte Studenten und Künstler, so daß sie ihr Talent im Ausland weiterbilden konnten und so dem Vaterland von Nutzen sein würden. Entsprechend hieß dieser königliche Privatfonds ad usus publicos. Diese spendable Schatulle stand allen Landeskindern und manchmal auch Ausländern offen, ob sie gut Dänisch sprachen oder nicht. Im Allgemeinen herrschte bei der Vergabe Gleichheit zwischen den Landesteilen und den gebräuchlichen Landessprachen Dänisch und Deutsch. Einerseits liegt dieser elitären Kulturpatronage eine Loyalität zum Königshaus (das u.a. auch deutsche Wurzeln hatte) zugrunde, die nicht von der vollen Beherrschung des Dänischen abhing. Andererseits beruhte sie auf der Wahrheitssuche in sprachunabhängigen Fragen der Wissenschaften und der Ästhetik. Diese Solidarität zwischen Regierung und Untertanen bewährte sich lange Zeit und hielt bis etwa 1840 an. Die Essays in diesem Band werden, um leichter lesbar zu bleiben, in einem allgemein-verständlichen Ton gehalten. Geschrieben wurden sie für Dänemarkfreunde, Schleswig-Holstein-Fans, Grenzgänger, Lehrer und Studenten auf beiden Seiten, aber auch Neugierige, die bisher nicht über den Zaun des politischen Kauderwelschs hinaus horchen konnten. Hier sollen die Leser in einer verbesserten und erweiterten Auflage angeregt und zu einem virtuellen Dänemarkbesuch ermuntert werden.

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Einleitung

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Am 8. August 2005, zu Beginn einer Radtour an die dänische Westküste, nahm der Verfasser Abschied von der modernen südjütländischen Stadt Tønder. Sie war aus einfachem Grunde für ihn die alte Stadt Tondern geblieben, in der er die Christkirche wegen des Epitaphs von Nicolas Tych und seiner Familie zu besuchen pflegte. Aber wie empfand sich die neue, alte Stadt selbst? Er stand alleine mit seinem bepackten Rad im Regen vor dem Bahn- hofsgebäude und blickte zur Ortsbezeichnung hinauf: TØNDER stand hier. Der sechsbuchstabige Name erschien merkwürdigerweise in dem Raum des Namensblocks nicht genau zentriert. Und siehe da, am rech- ten Ende blieb das längst verblasste N noch schwach erkennbar. Der gekürzte Name war also 1920 nach der Volksabstimmung eilig auf Dä- nisch überpinselt worden. Nach ein paar Jahrzehnten wurde das alte verblasste – N in preußisch Blau Farbe wieder sichtbar. Dies ist ein ein- zigartiges Zeichen einer selbsttätigen Solidarität mit der nicht zu leug- nenden, aber abgelegten eigenen Vergangenheit, wie sie so dem Verfas- ser nirgendwo anders zu Gesichte gekommen ist. Als König Christian X., wie es die Legende vorschrieb, auf einem Schimmel in die wiedergewonnenen dänischen Lande einritt, hielt er auch im Verlaufe des Sommers 1920 Einzug in Tønder. Der deutschge- sinnte Bürgermeister, dessen Stadt mehrheitlich für Deutschland ge- stimmt hatte, begrüßte ihn artig auf Dänisch. Der weise Monarch quit- tierte mit der Bitte, den alten Ha...

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