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Dänemarks und Deutschlands Kultursolidarität über Grenzen

2., erweiterte Auflage

Christian Gellinek

Der Dänische Gesamtstaat ergriff während des 18. und 19. Jahrhunderts Maßnahmen von Kulturpatronage, die sich auch auf den Landesteil Schleswig-Holstein bezogen. Die Kopenhagener Regierung gewährte trotz eigener Finanzschwierigkeiten regelmäßig Stipendien an begabte Studenten und Künstler, so daß sie ihr Talent im Ausland weiterbilden konnten und so dem Vaterland von Nutzen sein würden. Entsprechend hieß dieser königliche Privatfonds ad usus publicos. Diese spendable Schatulle stand allen Landeskindern und manchmal auch Ausländern offen, ob sie gut Dänisch sprachen oder nicht. Im Allgemeinen herrschte bei der Vergabe Gleichheit zwischen den Landesteilen und den gebräuchlichen Landessprachen Dänisch und Deutsch. Einerseits liegt dieser elitären Kulturpatronage eine Loyalität zum Königshaus (das u.a. auch deutsche Wurzeln hatte) zugrunde, die nicht von der vollen Beherrschung des Dänischen abhing. Andererseits beruhte sie auf der Wahrheitssuche in sprachunabhängigen Fragen der Wissenschaften und der Ästhetik. Diese Solidarität zwischen Regierung und Untertanen bewährte sich lange Zeit und hielt bis etwa 1840 an. Die Essays in diesem Band werden, um leichter lesbar zu bleiben, in einem allgemein-verständlichen Ton gehalten. Geschrieben wurden sie für Dänemarkfreunde, Schleswig-Holstein-Fans, Grenzgänger, Lehrer und Studenten auf beiden Seiten, aber auch Neugierige, die bisher nicht über den Zaun des politischen Kauderwelschs hinaus horchen konnten. Hier sollen die Leser in einer verbesserten und erweiterten Auflage angeregt und zu einem virtuellen Dänemarkbesuch ermuntert werden.

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I. Auseinandersetzungen: Von der Eider bis zur Elbe

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1. „Mildthätigkeit“ fördert die Kultur 1767 hatte sich König Christian VII. vertraglich verpflichtet, seine Kie- ler Landesuniversität, deren akademische Investitionen zu versiegen drohten, weil sie nur noch fünf Studienanfänger zählte, nicht eingehen zu lassen. Zur gleichen Zeit immatrikulierten sich hunderte von Neuan- fängern aus Dänemark, auch aus Schleswig-Holstein, Norwegen, Schottland und Deutschland an der Universität von Kopenhagen. In dieses Bild passt die großzügige Vergabe von Reise-Stipendien von und nach Dänemark. Einige dieser Ausgezeichneten schrieben meist eine der beiden Sprachen deutlich besser als die andere, seltener beide Spra- chen gleich gut zur gleichen Zeit. Die deutschen Studenten lernten nicht oft ein vorzügliches Dänisch, die dänischen ihr Deutsch meist erst auf mehrjährigen Studienreisen an deutsche Universitäten. Die besten erlernten es ganz vorzüglich. Die drei herausragenden Dichter (Lyriker) der beginnenden Dänischen Romantik hießen Adolph Wilhelm Schack von Staffeldt (geb. 1769 in Pommern; gest. 1826 zu Schleswig), und Jens „Immanuel“ Baggesen, beide hielten sich längere Zeit in Kiel auf (Detering 9, 2001) und Adam Oehlenschläger. Sie unterschieden sich in dem Gebrauch des Deut- schen als dichterischer Produktionssprache. Schack dichtete prinzipiell auf Dänisch. Er belegte 1791 einen zwei- einhalbjährigen Studiengang der Rechtswissenschaft und der Archäo- logie in Göttingen. Als Aristokrat konnte er sich ab 1795 eine weitere fünfjährige Europareise leisten. Er veröffentlichte Digte und Nye Digte. Seine romantisch angehauchten Gedichte handeln von Blumen, Phan- tasien,...

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