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«Viel lieber säße ich noch tief im Mohn»

Fremdheitserfahrungen im Werk Christine Lavants

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Sophie Therese Külz

Im Zuge der Aufbereitung des Nachlasses der preisgekrönten Schriftstellerin Christine Lavant steigt das literaturwissenschaftliche Interesse an den bildgewaltigen Gedichten und mehrschichtigen Prosatexten der Kärntnerin. Zentrales Thema im Werk ist die Fremdheitserfahrung des Individuums, die sich in einer bis an die Ich-Dissoziation reichenden Auseinandersetzung mit der eigenen Identität sowie der krisenhaft erlebten Inkompatibilität von Ich und Welt, von Ich und Gott niederschlägt. Dem Rechnung tragend, wird die literarische Inszenierung des Fremdheitsthemas auf intrapersoneller, interpersoneller und metaphysischer Ebene untersucht. Die Fokussierung auf Motivparallelen dient dem Ziel, Kohärenzen zwischen Lyrik und Prosa aufzuzeigen.

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I. Einleitung

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1. Christine Lavant Ich glaube, eine Sache in Worte fassen heißt ihr die Kraft bewahren und den Schre- cken nehmen. […] Sich bewegen heißt leben, sich in Worte fassen heißt überleben. FERNANDO PESSOA: DAS BUCH DER UNRUHE Eine erste Fassung der Einleitung bestand in der um Knappheit und Neutralität bemühten Rekapitulation biographischer Eckdaten Christine Lavants, der Kärntner Dichterin und Prosaautorin, deren Werk Gegenstand dieser Arbeit ist. Welche Erwägungen dieser Herangehensweise zugrunde lagen, wird die nun- mehr überarbeitete Version des Einleitungsteils Schritt für Schritt aufdecken. Die grundsätzliche Entscheidung, der Entfaltung der Themenstellung einen bio- graphischen Informationstext vorzuschalten, ist leicht erklärt, führten entspre- chende Nachfragen im persönlichen Umfeld doch zu dem Eindruck: Kaum je- mand scheint je von der mehrfach preisgekrönten Christine Lavant gehört zu haben. So zugegebenermaßen auch nicht die Verfasserin dieser Arbeit – bis zu einem Sommertag im Jahr 2008, an dem sie durch Zufall (?) ein Gedicht der Ös- terreicherin entdeckte und seit dem sie von einer stetig wachsenden Faszination für das Lavant-Werk ergriffen ist. Es mag in der Natur eines jeden wissenschaftlichen Projektes liegen, dass zu Beginn seiner Bearbeitung Postulate formuliert und Ziele deklariert werden, die im Laufe des Arbeitsprozesses überdacht und modifiziert werden müssen. Ne- ben all den im Anschluss an die erste themenbezogene Sichtung des Werkes aufgestellten Thesen, die sich im Zuge der eingehenden Beschäftigung mit dem Stoff verifizieren ließen, hat sich die Forderung, Lavants Werk müsse (nun end-...

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