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Sinnbilder Russlands im geteilten Deutschland

Die Rezeption russischer Lyrik in deutschen Literaturzeitschriften (1945-1990)

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Christine Fischer

In der Studie wird die kontroverse Rezeption der russischen Lyrik in Literaturzeitschriften der Bundesrepublik Deutschland und der DDR vergleichend betrachtet. Das Fundament bilden historische Prozesse wie z. B. das «Tauwetter». Im Mittelpunkt steht die Analyse signifikanter Doppelübersetzungen, u. a. von Texten Puškins, Bloks, Esenins und Majakovskijs. Ihre politische Funktion erhalten die Gedichte teilweise erst durch den Kontext ihrer Veröffentlichung. Als Schlüsselthemen treten der Zweite Weltkrieg und das «ewige» Russland hervor. Die Dichter, systemkonform oder -kritisch, waren aufgerufen, ihre Inspiration in den Dienst einer überpersönlichen Sache zu stellen. Zum einen waren sie Visionäre und Gestalter der Zukunft, zum anderen Chronisten und Bewahrer der, auch kollektiven, Erinnerung.

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1. Einführung

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1.1. Zielsetzung der Studie Im Mittelpunkt der vorliegenden Monographie steht die Darstellung der spezifi- schen Funktion der Gattung 'Lyrik' in Bezug auf die Wahrnehmung der Sowjetuni- on im Nachkriegsdeutschland. Darüber hinaus geht es um die Frage, inwieweit die sowjetrussische Lyrik als solche durch politische Argumentationsmuster geprägt ist und auf welche Weise diese Prägung in der deutschen Rezeption wirksam wird. In diesem Zusammen- hang sind auch die Profile der maßgeblichen deutschen Literaturzeitschriften zu be- trachten, da sich die politische Funktionalisierung der Einzeltexte häufig aus dem Kontext ihrer Veröffentlichung in einer ganz bestimmten Zeitschrift zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt ergibt. Hierbei liegt das Hauptaugenmerk auf Medien, wel- che die Literaturzeitschriftenlandschaft in Deutschland jahrzehntelang geprägt ha- ben und teilweise noch bis heute prägen (Die Neue Rundschau, Merkur, Akzente und Kürbiskern in der Bundesrepublik bzw. Sinn und Form in der DDR). Eng mit diesen Fragestellungen verbunden ist die Problematik des innerdeut- schen 'Transfers': Es gilt herauszuarbeiten, welche Wechselbeziehungen es zwi- schen Ost und West in der Rezeption russischer Lyrik zwischen 1945 und 1990 ge- geben hat. Dabei ist hervorzuheben, dass gerade auf beiden Seiten intensiv berück- sichtigte russische Autoren – darunter vor allem Blok, Esenin und Majakovskij – durchaus kontrovers rezipiert werden konnten; so bot die in ihrem Werk auf je ei- gene Weise zentrale Russlandthematik, aber auch ihr wechselvolles Verhältnis zum gesellschaftlichen Umbruch, verbunden mit ihrem frühen Tod, offenbar vielfältige und auch gegensätzliche Interpretationsmöglichkeiten. Diese Ambivalenz lässt sich besonders...

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