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Sinnbilder Russlands im geteilten Deutschland

Die Rezeption russischer Lyrik in deutschen Literaturzeitschriften (1945-1990)

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Christine Fischer

In der Studie wird die kontroverse Rezeption der russischen Lyrik in Literaturzeitschriften der Bundesrepublik Deutschland und der DDR vergleichend betrachtet. Das Fundament bilden historische Prozesse wie z. B. das «Tauwetter». Im Mittelpunkt steht die Analyse signifikanter Doppelübersetzungen, u. a. von Texten Puškins, Bloks, Esenins und Majakovskijs. Ihre politische Funktion erhalten die Gedichte teilweise erst durch den Kontext ihrer Veröffentlichung. Als Schlüsselthemen treten der Zweite Weltkrieg und das «ewige» Russland hervor. Die Dichter, systemkonform oder -kritisch, waren aufgerufen, ihre Inspiration in den Dienst einer überpersönlichen Sache zu stellen. Zum einen waren sie Visionäre und Gestalter der Zukunft, zum anderen Chronisten und Bewahrer der, auch kollektiven, Erinnerung.

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3. Literaturzeitschriften in der BundesrepublikDeutschland und in der DDR

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3. Literaturzeitschriften in der Bundesrepublik Deutschland und in der DDR 3.1. Überblick über die Publikation russischer Lyrik in Literatur- zeitschriften 3.1.1. Die am häufigsten berücksichtigten russischen Lyriker Insgesamt stehen in den von uns untersuchten Literaturzeitschriften rund siebzig russische Lyriker auf westdeutscher Seite etwas über fünfzig auf ostdeutscher Seite gegenüber. Die größere Vielfalt an Autorennamen in den Medien der Bundesrepu- blik mag zunächst überraschen, ist aber anhand des größeren und facettenreicheren Zeitschriftenspektrums gegenüber dem der DDR unschwer zu erklären. Ca. zwan- zig russische Lyriker wurden sowohl in westdeutschen als auch in ostdeutschen Li- teraturzeitschriften abgedruckt, so dass sich eine relativ große Schnittmenge ergibt. Die Anzahl der in Doppel- oder gar Mehrfachübersetzungen publizierten russi- schen Gedichte hingegen ist überschaubar, insbesondere, wenn man die Zeitschrift Sowjetliteratur in diesem Zusammenhang unberücksichtigt lässt; da sie, wenn auch in deutscher Sprache, in Moskau erschien, war sie keine deutsche Literaturzeitschrift im eigentlichen Sinne und nimmt daher eine Sonderstellung ein (vgl. zum Profil und zur Bedeutung von Sowjetliteratur den Beitrag von Sylvia Jurchen, Kap. 3.2.2). Insgesamt scheint sich in den deutschen Literaturzeitschriften auf beiden Seiten die Tendenz abzuzeichnen, Doppelübersetzungen und -publikationen ein und dessel- ben Gedichts in verschiedenen Zeitschriften eher zu vermeiden. Gerade deshalb je- doch sind die dennoch aufzufindenden Doppelübersetzungen als signifikante Hin- weise auf besonders zentrale Autoren und Texte zu verstehen. In aller Regel ist es nicht möglich, die Publikation einzelner Texte oder Autoren zu einem bestimmten Zeitpunkt speziellen Ereignissen...

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