Show Less

Jugendliche und glücksspielbezogene Probleme

Risikobedingungen, Entwicklungsmodelle und Implikationen für präventive Handlungsstrategien

Series:

Tobias Hayer

Kommerzielle Glücksspielangebote und selbstorganisierte Spiele um Geld stellen einen integralen Bestandteil der Lebenswirklichkeit vieler Jugendlicher dar. Zugleich gilt diese Altersgruppe als besonders gefährdet für die Entwicklung glücksspielbezogener Probleme. Vor dem Hintergrund eines Mangels an überzeugenden Erklärungsansätzen verfolgt diese Abhandlung das übergeordnete Ziel, das gegenwärtig verfügbare Wissen zu Risiko- und Schutzfaktoren problematischen Spielverhaltens in der Adoleszenz in systematischer Weise zusammenzufassen. Ausgehend von 105 Primärstudien wird ein evidenzbasiertes Entwicklungsmodell vorgelegt, das zum einen der Theorieweiterentwicklung dient und zum anderen wertvolle Implikationen für eine Erfolg versprechende Präventionspraxis mit sich bringt.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

2. Stand der Forschung: Theoretischer und empirischer Hintergrund

Extract

2.1. Der deutsche Glücksspielmarkt 2.1.1. Ökonomische Bedeutung Der Umsatz auf dem deutschen Glücksspielmarkt belief sich in 2009 nach Meyer (2011) zusammengenommen auf knapp 24 Milliarden Euro (exklusive Sozial- lotterien, Telefon-Gewinnspiele, Sportwetten und Online-Glücksspiele privater bzw. ausländischer Anbieter). Zu den umsatzstärksten Marktsegmenten zählen traditionsgemäß der Spielbankenbereich (28,6% des Gesamtumsatzes), die Ange- bote des Deutschen Lotto- und Totoblockes (29,2% des Gesamtumsatzes) – hier vornehmlich das Zahlenlotto „6aus49“ – und das gewerbliche Automatenspiel (34,9% des Gesamtumsatzes). Während staatlich konzessionierte Glücksspielan- bieter in den letzten Jahren von zum Teil erheblichen Umsatzrückgängen betrof- fen sind, lassen sich beim gewerblichen Automatenspiel deutliche Steigerungs- raten beobachten: Verglichen mit 2005 beliefen sich die Umsatzzuwächse auf immerhin 57,3% (in 2005: 5,88 Mrd. Euro; in 2009: 9,25 Mrd. Euro). Parallel dazu stieg die Zahl der Geldspielautomaten in den gastronomischen Betrieben und Spielhallen auf ca. 227.000 an. Damit positioniert sich das Marktsegment des gewerblichen Automatenspiels in 2009 an der Spitze aller Umsatzträger. Im Allgemeinen sind zwei Gründe für diese Umsatzverlagerungen anzuführen: a) systematische Umgehungen der Spielverordnung durch die gewerbliche Auto- matenindustrie und damit die Vermarktung eines schnelleren Spiels mit ausge- " %+ ~ + !— ; * - schutz des im Jahr 2008 in Kraft getretenen Glücksspielstaatsvertrages (GlüStV), von dem das gewerbliche Automatenspiel ausgenommen ist (vgl. ausführlich mit Hayer, 2010). Zum Gesamtumsatzvolumen privater Glücksspielanbieter von Sportwetten, TV-Gewinnspielen und Glücksspielen im Internet liegen derzeit für Deutschland keine wissenschaftlich fundierten Schätzungen vor....

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.