Show Less

«Leidender Gerechter» und «Diener aller»

Der Tod Jesu in Mk 8,27-10,52 im Gespräch mit Oscar Romero und Emmanuel Lévinas

Series:

Birgit Opielka

Auf der Suche nach der markinischen Deutung des Todes Jesu nimmt diese Untersuchung den Mittelteil des Evangeliums mit der vom Evangelisten gestalteten Abfolge aus drei Leidensankündigungen und Aufrufen zu Kreuzesnachfolge und gegenseitigem Dienen in den Blick. Mit den Ankündigungen von Leiden und Auferstehung fand der Evangelist eine Deutung des Todes Jesu nach dem alttestamentlichen Konzept des «leidenden Gerechten» vor. Durch die redaktionelle Anordnung der Stoffe erscheint der Tod Jesu darüber hinaus als letzte Konsequenz seines Dienstes an allen. Das Lebenszeugnis des Märtyrerbischofs O. Romero und Gedanken des jüdischen Philosophen E. Lévinas verleihen der markinischen Todesdeutung Tiefe und Profil und zeigen ihre Aktualität im heutigen gesellschaftlichen Kontext auf.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Teil I: Motivgeschichtliche Analyse der drei Leidens- und Auferstehungsansagen

Extract

1. „Es muss“ Wie eine Überschrift oder Leseanweisung, wie ein Vorzeichen oder ein Noten- schlüssel, der den Ton angibt zu allem, das folgt, steht über der ersten Ankündigung von Leiden und Auferstehung: „Es muss geschehen“. Hier liegt der Schlüssel zu ihrem Verständnis. Zugleich funktioniert wie ein „Marker“, ein vorangestelltes Ausrufezeichen, das die Aufmerksamkeit der Leser oder Hörerinnen für das Folgende gewinnt. 1.1 Musste Jesus leiden? Erste Erklärungsversuche Unvoreingenommen betrachtet, ist das „Muss“ des Todes Jesu in Mk 8,31 ein sehr einfacher Erklärungsversuch und zugleich Ausdruck einer tiefen Gotterge- benheit. Es gibt einen Grund für Jesu Leiden, es „muss“ einen geben; dieser liegt zur Zeit aber außerhalb menschlichen Verstehens.1 Es musste so kommen – Gott weiß warum. Bei näherem Hinsehen drängt sich jedoch auch ein anderer Eindruck auf. Es scheint, als sehe der Autor den Tod Jesu als eine Art „Notwendigkeit“; als sei es gewissermaßen Gottes Wille, dass Jesus, noch dazu auf so grausame Weise, sterben musste. Wie es van Iersel formuliert: „Wer erlegt dem Menschensohn auf, dass er leiden, hingerichtet werden und nach drei Tagen auferstehen muss? Das ist ohne Zweifel Gott, wie 8,33 klarstellt.“2 Was ist das für eine Art von Notwendigkeit, die die christliche Tradition hier beschwört? Was ist das für ein 1 Vgl. Bennett, Son, 113. 2 Markus, 181. Motivgeschichtliche Analyse 62 Gott, der, noch dazu von seinem eigenen Sohn, solche Leidensbereitschaft ver- langt? Sollte Markus wirklich gemeint haben,...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.