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Politik, Bildung und soziale Gerechtigkeit

Perspektiven für eine demokratische Gesellschaft

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Heinz Sünker

Angesichts der gegenwärtigen Diskussionen um die PISA-Ergebnisse in Deutschland zeigt sich erneut die Notwendigkeit, Grundfragen des Verhältnisses von Bildungstheorie und Bildungspolitik zu analysieren. Eine wesentliche Herausforderung für die sich als demokratisch verstehende bundesrepublikanische Gesellschaft stellt dabei die Erkenntnis dar, dass offensichtlich bis heute die Reproduktion sozialer Ungleichheit mit Hilfe des Bildungssystems ungebrochen funktioniert. Auf die Tagesordnung gerät damit die Frage nach dem Zusammenhang von Bildung, Politik und sozialer Gerechtigkeit, um Bedingungen und Perspektiven einer substantiell demokratischen Gesellschaft zu klären. Zudem bleibt die Erkenntnis unhintergehbar, dass Bildungspolitik Gesellschaftspolitik ist, mit der Lebenschancen und Lebensqualität vermittelt bzw. zugewiesen werden.

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I. Bildung, Politik und soziale Gerechtigkeit. Von Picht zu Pisa 7

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I. Bildung, Gesellschaftspolitik und soziale Gerechtigkeit Von Picht zu PISA 1. Dass aber nach wie vor die sozialen Klassen in Deutschland nichts so sehr unterscheidet wie der Schulbesuch ihrer Kinder, bezeichnet eine unveran- derte Aufgabe der Bildungsreform. (L. v. Friedeburg, Bildungsreform in Deutschland) ,Abschied von Reformillusionen" lautete der Titel eines Aufsatzes von M. Baethge im Jahre 1972, mit dem er, so der Untertitel, ,einige politisch-okonomische Aspekte zum Ende der Bildungsreform in der BRD" (Baethge 1972: 19) vortragen wollte. Begonnen hatte diese Debatte urn die Notwendigkeit von Bildungsreformen, urn eine neue Bildungspolitik mit G. Pichts Aufschrei i.iber die ,deutsche Bildungs- katastrophe", mit dem dieser den ,Bildungsnotstand" erklarte; aus- gelost durch den ,Sputnikschock" und einer damit einhergehend vermuteten ,technologischen Lucke"- infolge der mangelnden Aus- schopfung von ,Begabungsreserven". lm Zentrum stand bei ihm die Vorstellung einer Verkni.ipfung von nationalem Bildungsniveau, d.h. de facto dem Qualifikationsniveau der Arbeitskraft, mit okonomi- scher Wettbewerbsfahigkeit und er malte dazu ein Bild, demzufolge ,der durchschnittliche Bildungsstand und die durchschnittliche Lei- stungsqualifikation der graBen Mehrheit der Bevolkerung fi.ir lange Zeit unter dem Durchschnitt jener Lander liegen werden, mit denen wir wirtschaftlich und politisch konkurrieren mi.issen" (Picht 1964: 24; vgl. : 66). 1 Zugleich - und dies wird bei der Rezeption der Pichtschen Positionen meistens i.iberlesen - thematisierte er unter der Ober- schrift ,Schulpolitik: die Sozialpolitik von heute" (1964: 30 ff) ,die Ungerechtigkeiten, die mit der Sozialauslese durch die Schulen ver- bunden sind" (1964: 32)- eben infolge des deutschen Schulsystems und des entsprechenden Berechtigungswesens. 1 Erkennen liisst sich, dass...

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