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Politik, Bildung und soziale Gerechtigkeit

Perspektiven für eine demokratische Gesellschaft

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Heinz Sünker

Angesichts der gegenwärtigen Diskussionen um die PISA-Ergebnisse in Deutschland zeigt sich erneut die Notwendigkeit, Grundfragen des Verhältnisses von Bildungstheorie und Bildungspolitik zu analysieren. Eine wesentliche Herausforderung für die sich als demokratisch verstehende bundesrepublikanische Gesellschaft stellt dabei die Erkenntnis dar, dass offensichtlich bis heute die Reproduktion sozialer Ungleichheit mit Hilfe des Bildungssystems ungebrochen funktioniert. Auf die Tagesordnung gerät damit die Frage nach dem Zusammenhang von Bildung, Politik und sozialer Gerechtigkeit, um Bedingungen und Perspektiven einer substantiell demokratischen Gesellschaft zu klären. Zudem bleibt die Erkenntnis unhintergehbar, dass Bildungspolitik Gesellschaftspolitik ist, mit der Lebenschancen und Lebensqualität vermittelt bzw. zugewiesen werden.

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II. Kritische Bildungstheorie - Jenseits von Markt und Macht? 26

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II. Kritische Bildungstheorie - Jenseits von Markt und Macht? 1. Auch wenn ,die Vormacht von Okonomie keine lnvariante" {Adorno 1966: 188 f.) darsteltt, so ist doch fUr die burgerlich-kapitalistische Geseltschaftsformation festzuhalten, was Adorno ebenfalts feststeltt: , Ober den Kopf der formal freien lndividuen hinweg setzt das Wert- gesetz sich durch. Unfrei sind sie, nach der Einsicht von Marx, als seine unwillentlichen Exekutoren, und zwar desto griindlicher, je mehr die gesellschaftlichen Antagonismen anwachsen, an denen die Vorstellung von Freiheit erst sich bildete. Der Prozess der Verselb- standigung des lndividuums, Funktion der Tauschgesel/schaft, termi- niert in dessen Abschaffung durch Integration. Was Freiheit pro- duzierte, schlagt in Unfreiheit urn. Frei war das Individuum als wirtschaftendes biirgerliches Subjekt, soweit vom okonomischen System Autonomie gefordert wurde, damit es funktioniere. Damit ist seine Autonomie im Ursprung schon potentie/1 verneint" {Adorno 1966: 257). Exemplifizieren lasst sich dieses nicht zuletzt an Entwick- lungen im Verhaltnis von Bildung und Geseltschaft, bildungspoliti- schen Strategien im postfaschistischen westlichen Deutschland - ausgerichtet auch auf die Oberwindung traditionelter Strukturen im Bildungssystem im Interesse funktionaler Modernisierung und Demokratiebeforderung -, denen auf der Folie der Adornoschen Argumentation ein Scheitern schon (fast?) vorherzusagen war. Denn, so die Analyse von von Friedeburg (1994, 1994a), das Bundnis zwi- schen Aufklarern und Modernisierern zerbrach bereits wenige Jahre nach ihrem Schulterschluss, in der Folge der darin enthaltenen anta- gonistischen lnteressen. Gleichwohl bleibt die ,Bildungsfrage" auf der Tagesordnung geseltschaftspolitischer Auseinandersetzungen. Ging es in den 60er, 70er Jahren darum, in einer neu konzipierten Bildungsdebatte aus unterschiedlichen Perspektiven einer Miss- interpretation des Bildungsbegriffs, vor...

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