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Politik, Bildung und soziale Gerechtigkeit

Perspektiven für eine demokratische Gesellschaft

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Heinz Sünker

Angesichts der gegenwärtigen Diskussionen um die PISA-Ergebnisse in Deutschland zeigt sich erneut die Notwendigkeit, Grundfragen des Verhältnisses von Bildungstheorie und Bildungspolitik zu analysieren. Eine wesentliche Herausforderung für die sich als demokratisch verstehende bundesrepublikanische Gesellschaft stellt dabei die Erkenntnis dar, dass offensichtlich bis heute die Reproduktion sozialer Ungleichheit mit Hilfe des Bildungssystems ungebrochen funktioniert. Auf die Tagesordnung gerät damit die Frage nach dem Zusammenhang von Bildung, Politik und sozialer Gerechtigkeit, um Bedingungen und Perspektiven einer substantiell demokratischen Gesellschaft zu klären. Zudem bleibt die Erkenntnis unhintergehbar, dass Bildungspolitik Gesellschaftspolitik ist, mit der Lebenschancen und Lebensqualität vermittelt bzw. zugewiesen werden.

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IV. Pluralismus und Utopie der Bildung 55

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IV. Pluralismus und Utopie der Bildung 1. ,Aile Utopie, die geschichtlich wer- den will, wurzelt im Topos. Sie muss in der Bedingung angelegt sein und in ihr schon erfahrbar werden. Sie ist nichts weiter als vorgezogene Wirklichkeit, imaginierte Entfaltung eines erkennbaren Beginns. Sie ist das Gedachtnis einer verdunkelten Welt. Die universel/e Gattung, die die Fiille ihrer Moglichkeiten ent- lasst, ist die vollendete Utopie der Bildung." (H.J. Heydorn, Oberleben durch Bildung) lm Rahmen einer ,retrograden Utopie", so A. Rang tiber die man- gelnde Modernitat der deutschen ,Mehrheitspadagogik", orientieren sich Padagogen an , Gemeinsamkeit, Uniformitat, Einheit und Eins- sein", ,wahrend es die Vertreter der Avantgarde, spiitestens seit der Aufklarung, interessant, inspirierend finden, dass die menschliche Kultur im Plural steht und dass es mithin eine polyvalente und kontroverse Vie/fait von Welt- und Subjektkonzeptionen, politischen, moralischen und religiosen Auffassungen, wissenschaftlichen Theo- rien und iisthetischen Produktionen gibt" (Rang 1989: 135 f.; vgl. weiter Baumann 1992). Die darin eingelassene Auffassung Rangs, die Mehrheit der Avant- garde lege nachdrucklich Wert auf non-konformistische lndividualisie- rung und Autonomisierung, wogegen die Padagogen zweideutig die werdenden Subjekte als selbstandig und zugleich als angepasst-kon- formistisch auffassten (Rang 1989: 135), verweist auf zweierlei: 1) die Pluralismus-Problematik heute im Kontext des lndividualisierungs- diskurses zu thematisieren und 2) die Subjekt- oder Autonomie-Pro- blematik im Kontext gesellschaftskritisch argumentierender Bildungs- theorie - und darin eingebundener Utopiepotentiale - zu diskutieren. U. Beck hat in seiner Analyse und Darstellung des gegenwartig kon- statierbaren lndividualisierungsprozesses - kontextbezogen auf die ,reflexive Modernisierung" der lndustriegesellschaft- mit der Rede vom ,neuen lndividualisierungsschub' als einem...

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