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Arthur Stadthagen – Anwalt der Armen und Rechtslehrer der Arbeiterbewegung

Biographische Annäherungen an einen beinahe vergessenen sozialdemokratischen Juristen

Holger Czitrich-Stahl

Arthur Stadthagen (1857-1917) war als erster sozialdemokratischer Jurist im Deutschen Reichstag am Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) beteiligt, das am 1. Januar 1900 in Kraft trat und nach der Reichseinheit von 1871 die Rechtseinheit herstellte. Zu wichtigen Rechtsfragen verfasste Stadthagen populäre Stellungnahmen. Seine Rechtsratgeber Das Arbeiterrecht (1895) und Führer durch das Bürgerliche Gesetzbuch (1900) wurden zu Bestsellern. Er vertrat den Wahlkreis Potsdam 6 Niederbarnim von 1890 bis 1917 im Parlament. Außerdem lehrte er an der Parteischule der SPD. Stadthagen gehörte dem marxistischen Parteizentrum um August Bebel und Karl Kautsky an. Darüber hinaus galt er als ein Freund Rosa Luxemburgs. Nach seinem Ausschluss aus der SPD 1917 zählte er zu den Mitbegründern der USPD.

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Drittes Kapitel: Anwalt der Armen und Opfer der preußischen Klassenjustiz: Arthur Stadthagen als praktizierender Rechtsanwalt (1884-1892)

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Nachdem Arthur Stadthagen am Berliner Friedrichs-Gymnasium in der Albrechtstraße zu Ostern 1876 sein Abitur erfolgreich abgelegt hatte, studierte er von 1876-1879 an der Friedrich Wilhelms-Universität zu Berlin Rechtswissenschaften. Um den einjährigen Mili- tärdienst abzuleisten, unterbrach er das Studium 1876/77. Während seines Rechtsreferen- dariats verdiente sich Stadthagen seinen Unterhalt als Stenograph im Deutschen Reichstag, eine Erfahrung, die politisch nicht wirkungslos geblieben sein dürfte, wie vor- hergehend erörtert. Seit dem 26. März 1884 wirkte er als Assessor, am 19. Mai 1884 er- hielt er die Anstellung als Rechtsanwalt beim Berliner Landgericht II. In dieser Tätigkeit muss Arthur Stadthagen früh in Kontakt mit Menschen aus der Arbei- terklasse und aus anderen unterprivilegierten Schichten gekommen sein. In jenen Jahren entwickelte sich sein Leumund als „Anwalt der Armen“, wie Ernest Hamburger in seiner Darstellung hervorhob und als Anwalt in politischen Prozessen.195 Mir ist in diesem Kapitel vor allem daran gelegen, den Einsatz Arthur Stadthagen für die Rechte der Schwachen und politisch Niedergehaltenen zu rekonstruieren. Dabei bilden die sich schon früh anbahnenden Konflikte des jungen Rechtsanwalts mit den mächtigen Vertretern eines sich als konservativ und kaisertreu definierenden Berufsstandes einen Dreh- und Angelpunkt der Betrachtung. Schon im vorausgehenden Kapitel habe ich die Frage erörtert, ob Arthur Stadthagen So- zialist wurde, weil er den Auswirkungen der Klassenjustiz im Deutschen Kaiserreich selbst ausgesetzt wurde, oder ob er von jener schikaniert wurde, weil er schon früh als So- zialdemokrat zu erkennen war. Ich habe diese...

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