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Schreib- und Textroutinen

Theorie, Erwerb und didaktisch-mediale Modellierung

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Edited By Helmuth Feilke and Katrin Lehnen

Herkömmlich wird sprachliche Routine gern mit Gleichförmigkeit, Bequemlichkeit und auch Entlastung von wiederkehrenden kommunikativen Aufgaben gleichgesetzt. Als Mittel der Strukturbildung ist ihre Bedeutung kaum bedacht. Ein wichtiger Aspekt ist, dass Routinen gerade auch im Schriftlichen die Grundlage bilden für die Eröffnung von Spielräumen des sprachlichen Handelns – sowohl in der Textproduktion als auch in der Textrezeption. Die Beiträge des Bandes argumentieren für ein sozial intelligibles Konzept sprachlicher Routine. Der thematische Fokus richtet sich auf Routine im Schreiben und Routine in Texten. Im Zentrum stehen Theorie und Begrifflichkeit literaler Routine, Erwerb und Aufbau von Schreib- und Textroutinen im Spracherwerb vom ersten Schuljahr bis hin zu Studierenden sowie didaktisch-mediale Modellierungen von Routinen für die Stützung des Erwerbs auch in E-Learning-Szenarien.

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Helmuth Feilke - Was sind Textroutinen? Zur Theorie und Methodik des Forschungsfeldes 1

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Was sind Textroutinen? - Zur Theorie und Methodik des Forschungsfeldes Helmuth Feilke 1. Die gesellschaftliche Konstruktion der Routine Es gibt wenige soziologische Bücher, die eine so nachhaltige Wirkung im Fach- verständnis der mit Sprache und Kommunikation beschäftigten Wissenschaften hinterlassen haben wie Peter Bergers und Thomas Luckmanns wissenssoziologi- scher Klassiker „Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit“ (1966/ 1980). Ein Hauptgrund dafür dürfte neben der anschaulichen Sprache die inten- sive Beschäftigung der Autoren mit dem Zustandekommen und der sozialen Be- deutung von Typisierungen und Routinisierungen sein. Typisierung beziehen die Autoren auf die Interpretation der Wahrnehmung, Routinisierung auf das Han- deln. Den entscheidenden Gewinn sehen sie dabei in der sozialen Prägung (Insti- tutionalisierung) von Interpretations- und Handlungsschemata. Routinewissen entsteht zunächst individuell aus der Habitualisierung erfolgreicher Verfah- rensweisen und es entlastet von der Notwendigkeit, Handlungen stets neu kom- ponieren zu müssen: „In der Theorie mag es hundert Möglichkeiten zu geben, ein Boot aus Streichhölzern zu basteln, Gewöhnung verringert sie bis hinunter zu einer einzigen.“ (Berger/Luckmann 1980, 57). Der dadurch erreichte Konser- vativismus ist aber nur die eine Seite des Geschehens: „Vor dem Hintergrund der Habitualisierung öffnet sich ein Vordergrund für Einfall und Innovation.“ (ebd.). Berger und Luckmann geht es nun aber nicht primär um individuelle, son- dern um die soziale Konstruktivität. Was in individualpsychologischen Katego- rien als Entlastung durch Routine erscheint, ermöglicht im Bereich sozialen Handelns Erwartbarkeit, und es erzeugt legitime Erwartungen und Erwartungs- erwartungen. Das ist der Unterschied...

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