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Schreib- und Textroutinen

Theorie, Erwerb und didaktisch-mediale Modellierung

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Helmuth Feilke and Katrin Lehnen

Herkömmlich wird sprachliche Routine gern mit Gleichförmigkeit, Bequemlichkeit und auch Entlastung von wiederkehrenden kommunikativen Aufgaben gleichgesetzt. Als Mittel der Strukturbildung ist ihre Bedeutung kaum bedacht. Ein wichtiger Aspekt ist, dass Routinen gerade auch im Schriftlichen die Grundlage bilden für die Eröffnung von Spielräumen des sprachlichen Handelns – sowohl in der Textproduktion als auch in der Textrezeption. Die Beiträge des Bandes argumentieren für ein sozial intelligibles Konzept sprachlicher Routine. Der thematische Fokus richtet sich auf Routine im Schreiben und Routine in Texten. Im Zentrum stehen Theorie und Begrifflichkeit literaler Routine, Erwerb und Aufbau von Schreib- und Textroutinen im Spracherwerb vom ersten Schuljahr bis hin zu Studierenden sowie didaktisch-mediale Modellierungen von Routinen für die Stützung des Erwerbs auch in E-Learning-Szenarien.

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Jan Weisberg - IF Routine THEN Fluss ELSE Problem - Überlegungen zu Schreibflüssigkeit und Schreibroutine 155

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IF Routine THEN Fluss ELSE Problem - Überlegungen zu Schreibflüssigkeit und Schreibroutine Jan Weisberg Auch Urlaubspostkarten können […] zum Problem werden[…], oder Romane zur Routine. (Wrobel 1995, 23) 1. Einleitung Der Titel greift den basalen konditionalen Verzweigungsbefehl vieler Program- miersprachen auf: IF – THEN - ELSE (vgl. http://en.wikipedia.org/wiki/Con- ditional_(programming)#If-then.28-else.29, 03.01.2011). Dieser Befehl ist ein „wenn–dann–sonst“-Gefüge, welches wesentlich einem Konditionalsatz ent- spricht. Die Konstruktion im Titel besteht strukturell aus einem festen Code, der flexibel zu füllende „Leerstellen“ bzw. Variablen enthält. Der erste Teil des Codes (IF) definiert eine Bedingung (das Antezedens), für die hier „Routine“ gesetzt ist. In Abhängigkeit vom Wahrheitswert dieser Bedingung werden durch den Code zwei Folgeprozeduren (Konsequenzen) definiert (THEN; ELSE). Für den ersten Fall (Routine = wahr) ist als Folge „Fluss“ gesetzt, für den zweiten Fall (Routine = unwahr) „Problem“. Der Programmiercode stellt einen Befehl an eine Maschine dar. Er ist das definierte Mittel, um einen bestimmten Zweck zu erreichen (hier: eine logische Verzweigung oder: eine an ein Parameter geknüpf- te „Entscheidung“). Der Code ist maximal standardisiert, d.h. er lässt keine Ab- weichung zu. Nur durch diese Eindeutigkeit der Zweck-Mittel-Relation funktio- niert die Mensch-Maschine-Kommunikation. Im Blick auf die Konditionalsätze der Mensch-Mensch-Kommunikation wird im Gegensatz zum starren Programmiercode eine große semiotische Flexi- bilität deutlich (vgl. Eisenberg 1999, 331 ff.). Erstens stehen als Konditional- marker mehrere Lexeme zur Verfügung (u.a.: wenn, falls, sofern, vorausgesetzt, angenommen - dann, so). Zweitens kann die syntaktische Position...

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