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Islam und Diaspora

Analysen zum muslimischen Leben in Deutschland aus historischer, rechtlicher sowie migrations- und religionssoziologischer Perspektive

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Edited By Rauf Ceylan

Internationale Wanderungsbewegungen im 20. Jahrhundert haben dazu geführt, dass sich Millionen muslimische Migranten außerhalb ihrer Herkunftsländer aufhalten. Allein in Deutschland leben mittlerweile ca. 4,2 Mio. Muslime. Aufgrund des besonderen Verhältnisses von Migration und Religion sind durch diesen Prozess zahlreiche Herausforderungen für die muslimischen Diaspora-Gemeinden entstanden. Vor diesem Hintergrund setzt sich dieser Sammelband aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven mit zentralen Aspekten muslimischen Lebens auseinander. In sechs Schwerpunkte gegliedert, werden Fragen der historischen Entwicklungen seit dem Beginn der Anwerbeabkommen vor 50 Jahren, des Verhältnisses von Rechtsstaat bzw. Säkularisierung und Islam, der (inter-)religiösen Bildung, der muslimischen Identitätsbildung, der fundamentalistischen Ausprägungen in der Migration sowie des interreligiösen Dialogs und der muslimischen Selbstverortung diskutiert.

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Muslime und Diaspora – interdisziplinäre Forschungsfragen im Einwanderungskontext. Von Rauf Ceylan

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Muslime und Diaspora – interdisziplinäre Forschungsfragen im Einwanderungskontext Von Rauf Ceylan 1. Globalisierung, Migration und Diaspora Der Begriff der Diaspora erlebte in den letzten Jahren in den Sozial- und Kul- turwissenschaften einen konjunkturellen Aufschwung und einen Bedeutungs- wandel zugleich. Im religionshistorischen Kontext hängt die klassische Definiti- on eng mit der jüdischen Geschichte zusammen, und zwar mit der Zerstörung der beiden Tempel, der Erfahrung der Zerstreutheit und der Vertreibung sowie den Umsiedlungen der Juden (Ägypten, Babylon). Vor diesem Hintergrund fand der Begriff der Diaspora auch Eingang in den heiligen Text (Septuaginta) und bezeichnete das Leben der Juden außerhalb des gelobten Landes Palästina.1 In diesem Kontext nimmt Erich Zenger eine Definition des klassischen Begriffs „Diaspora“ vor: „Das Substantiv (abgeleitet vom griechischen Verbum dia-speirein = ausstreuen, sich zerstreuen, getrennt werden) bezeichnet in der Septuaginta sowohl den Vorgang der Zerstreuung Israels unter die (heidnischen) Völker als auch die Zerstreuen [sic] selbst. Anders als der Begriff Galut bzw. Gola […], der diesen Zustand/Vorgang als Deportation (v.a. babylonisches Exil/babylonische Gefangenschaft) und als von Gott verhängte Strafe charakterisiert, hat ‚Diaspora‘ positive Konnotationen und bezeich- net die besondere Gegebenheit, dass ein großer Teil Israels (bis heute) außerhalb des Landes Israel lebt und dabei sowohl die innere als auch die äußere Beziehung zum Mutterland aufrechterhält.“2 Trotz der Zerstreutheit des jüdischen Volkes bildete im Bewusstsein der Juden das Gelobte Land und das religiöse Zentrum Jerusalem die gemeinsame Heimat. Das Gemeinschaftsgefühl wurde auch durch die Organisation der Juden...

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