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Islam und Diaspora

Analysen zum muslimischen Leben in Deutschland aus historischer, rechtlicher sowie migrations- und religionssoziologischer Perspektive

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Edited By Rauf Ceylan

Internationale Wanderungsbewegungen im 20. Jahrhundert haben dazu geführt, dass sich Millionen muslimische Migranten außerhalb ihrer Herkunftsländer aufhalten. Allein in Deutschland leben mittlerweile ca. 4,2 Mio. Muslime. Aufgrund des besonderen Verhältnisses von Migration und Religion sind durch diesen Prozess zahlreiche Herausforderungen für die muslimischen Diaspora-Gemeinden entstanden. Vor diesem Hintergrund setzt sich dieser Sammelband aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven mit zentralen Aspekten muslimischen Lebens auseinander. In sechs Schwerpunkte gegliedert, werden Fragen der historischen Entwicklungen seit dem Beginn der Anwerbeabkommen vor 50 Jahren, des Verhältnisses von Rechtsstaat bzw. Säkularisierung und Islam, der (inter-)religiösen Bildung, der muslimischen Identitätsbildung, der fundamentalistischen Ausprägungen in der Migration sowie des interreligiösen Dialogs und der muslimischen Selbstverortung diskutiert.

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IV. Zur muslimischen Identitätsbildung: Zwischen Selbst- und Fremdbestimmung

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Identitätspolitik in Deutschland zwischen Islamisierung und (Re-)Christianisierung Von Birgit Rommelspacher Im Laufe der letzten beiden Jahrzehnte hat die Diskussion um Einwanderung in Deutschland eine bemerkenswerte Verschiebung erfahren: Zuvor standen infol- ge der Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte in den 1960er Jahren vor allem politische und ökonomische Fragen im Vordergrund, also, ob die sogenannten Gastarbeiter der deutschen Wirtschaft dienlich sind oder im Gegenteil Arbeits- plätze für Deutsche bedrohen, sowie die Frage, welchen politischen Status die- sen „Gast“-Arbeiter(inne)n zugestanden werden kann und soll. Nachdem jedoch die Politik nach langem Zögern anerkennen musste, dass Deutschland ein Ein- wanderungsland geworden ist, verschob sich auch der inhaltliche Schwerpunkt der Debatten: Nun geht es vielmehr um die Fragen, welche Einwanderer(innen) die Mehrheitsgesellschaft akzeptieren kann und will und welche ihr als so fremd gelten, dass sie glaubt, sie nicht integrieren zu können. Deshalb wird derzeit intensiv darüber diskutiert, was das „Wir“ dieser Ge- sellschaft ausmacht und wer als fremd gilt. Im Fokus stehen also nicht mehr so sehr Strategien politischer, sondern vielmehr kultureller Grenzziehungen. Inter- essant ist in diesem Zusammenhang, dass sich mit der Politik auch die Einstel- lungen in der Bevölkerung verschoben haben: Zwar ist in den letzten Jahren laut ALLBUS1 die Toleranz der alteingesessenen Deutschen gegenüber den Einwan- derer(inne)n kontinuierlich angestiegen, aber auf der anderen Seite fordern sie von ihnen immer rigoroser deren Anpassung ein.2 Auch hier wird also die Tat- sache der Einwanderung kaum mehr infrage gestellt, aber der...

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