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Islam und Diaspora

Analysen zum muslimischen Leben in Deutschland aus historischer, rechtlicher sowie migrations- und religionssoziologischer Perspektive

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Edited By Rauf Ceylan

Internationale Wanderungsbewegungen im 20. Jahrhundert haben dazu geführt, dass sich Millionen muslimische Migranten außerhalb ihrer Herkunftsländer aufhalten. Allein in Deutschland leben mittlerweile ca. 4,2 Mio. Muslime. Aufgrund des besonderen Verhältnisses von Migration und Religion sind durch diesen Prozess zahlreiche Herausforderungen für die muslimischen Diaspora-Gemeinden entstanden. Vor diesem Hintergrund setzt sich dieser Sammelband aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven mit zentralen Aspekten muslimischen Lebens auseinander. In sechs Schwerpunkte gegliedert, werden Fragen der historischen Entwicklungen seit dem Beginn der Anwerbeabkommen vor 50 Jahren, des Verhältnisses von Rechtsstaat bzw. Säkularisierung und Islam, der (inter-)religiösen Bildung, der muslimischen Identitätsbildung, der fundamentalistischen Ausprägungen in der Migration sowie des interreligiösen Dialogs und der muslimischen Selbstverortung diskutiert.

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V. Zur Diskussion um Islamismus und Fundamentalismus

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Religiös legitimierte Gewalt unter jugendlichen Muslimen? Eine kritische Sichtung von Forschungsergebnissen zu einem populären Thema Von Peter Rieker Einführung Verschiedentlich werden Gewaltakzeptanz und -bereitschaft bei jungen Musli- men in besorgniserregendem Ausmaß festgestellt und mit ihren religiösen Ori- entierungen in Zusammenhang gebracht. Im vorliegenden Beitrag werden die ermittelten Zusammenhänge überprüft und verschiedene Erklärungsansätze in Hinblick auf Gewaltakzeptanz bei jungen Muslimen mit Rückgriff auf empiri- sche Untersuchungen diskutiert. Dabei zeigt sich, dass weder allgemeine Erklä- rungsansätze für Gewaltakzeptanz oder Extremismus noch der Rückgriff auf die Qualität religiöser Orientierungen geeignet sind, um Gewaltakzeptanz junger Muslime zu erklären, die religiös legitimiert erscheint. Religiös konnotierte Ge- waltakzeptanz kann dagegen am ehesten mit Erfahrungen von Diskriminierung bzw. der Einschätzung, dass Muslime marginalisiert werden, sowie mit jugend- spezifischen Konfliktdynamiken in Zusammenhang gebracht werden. Die Verbindung zwischen Religion und Gewalt, speziell die Legitimation und Ausübung von Gewalt auf der Grundlage religiöser Motivation, sind seit Längerem Themen öffentlicher und wissenschaftlicher Debatten.1 Besondere Aufmerksamkeit richtet sich hierzulande auf den Islam und Muslime, denen ge- genüber besondere Vorbehalte und Befürchtungen bestehen, die sich aus jahrhundertelang andauernden religiösen und politischen Konflikten speisen.2 Zunächst seit den 1970er Jahren und dann erneut seit den 1990er Jahren haben sie eine neue Aktualität erhalten: • Eine ganze Reihe bewaffneter Konflikte wurde als Ausdruck zunehmen- der ethnischer oder kultureller Unvereinbarkeiten oder als „Kampf der Kulturen“ verstanden, wobei der Islam als „Herausforderer-Kultur...

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