Show Less

Das Märchen – zwischen Kunst, Mythos und Spiel

Series:

Hansjörg Hohr

Das Märchen bietet ein System von Bedeutungen an, das Kinder zur Artikulierung ihrer Erfahrung verwenden können. Das Genre vereint eine Vielfalt von Bedeutung mit Einfachheit der Struktur. Besonders hervorzuheben ist das Widerspiel der Bedeutungsebenen. Die Ebene des Mythischen verleiht dem Märchen eine außergewöhnliche Erlebnistiefe. Dieser gegenüber und als Gegengewicht etabliert sich eine Ebene des Spielerischen, das mit einem Verlust beginnt und mit einem Gewinn endet und das sich ohne Vorbehalt in den Dienst des individuellen Glücksanspruchs stellt. Im Spannungsfeld zwischen dem existentiellen Anliegen des Mythos und der Solidarität mit dem unterdrückten Helden im Spiel öffnet sich eine Ebene der künstlerischen Reflexion lebenspraktischer Entwürfe.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Vorwort

Extract

Die vorliegende Auseinandersetzung mit dem Märchen ist voreingenommen. Die pädagogischen Erwartungen, die ihr zugrunde liegen, entspringen zunächst den Erfahrungen meiner Kindheit, wo zwei Bildbände mit Märchen einen bedeutenden Teil meiner Schätze bildeten. Wer die Bände redigierte und welcher Verlag sie herausgab, war jenseits meines Interessehorizontes, und im Rückblick möchte mir scheinen, dass der redaktionelle Umgang mit den Texten alles andere als zimperlich war. Jedes Märchen war auf den Umfang einer Doppelseite zugeschnitten und von farbigen Illustrationen eingerahmt. Der künstlerische Wert mag durchaus zweifel- haft gewesen sein, erreichte aber doch seinen Zweck, insofern er die jeweilige Geschichte auf einen Blick erkenntlich machte und in mir Vorfreude auslöste. Doch die inbrünstige Liebe zu besagten Bildbänden hätte schwerlich das wis- senschaftliche Interesse des späteren Pädagogikstudenten geweckt und den An- stoß zur vorliegenden Arbeit gegeben. Das fachliche Interesse schuldet sich vielmehr einer väterlichen Praxis, die darin bestand, meinem Sohn jeden Abend zum Schlafengehen ein Märchen vorzulesen. Der nüchterne Zeitgenosse könnte nun einwenden, dass die Verwendung des Märchens als Narkotikum schwerlich als pädagogische Empfehlung gelten könne. Aber auch der Märchenliebhaber könnte zu bedenken geben, dass das offensichtliche Gefallen, das mein Sohn an den Geschichten fand, kaum etwas über deren pädagogischen Wert verrät. Im- merhin lieben Kinder auch Zuckerwerk, ohne dass das besonders gesund wäre. All das müsste ich gelten lassen, hätte es da nicht...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.