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Das Märchen – zwischen Kunst, Mythos und Spiel

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Hansjörg Hohr

Das Märchen bietet ein System von Bedeutungen an, das Kinder zur Artikulierung ihrer Erfahrung verwenden können. Das Genre vereint eine Vielfalt von Bedeutung mit Einfachheit der Struktur. Besonders hervorzuheben ist das Widerspiel der Bedeutungsebenen. Die Ebene des Mythischen verleiht dem Märchen eine außergewöhnliche Erlebnistiefe. Dieser gegenüber und als Gegengewicht etabliert sich eine Ebene des Spielerischen, das mit einem Verlust beginnt und mit einem Gewinn endet und das sich ohne Vorbehalt in den Dienst des individuellen Glücksanspruchs stellt. Im Spannungsfeld zwischen dem existentiellen Anliegen des Mythos und der Solidarität mit dem unterdrückten Helden im Spiel öffnet sich eine Ebene der künstlerischen Reflexion lebenspraktischer Entwürfe.

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Das Märchen als Hoffnungsträger: Sinnstiftung, Erlösung und Offenbarung

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Können Märchen zur persönlichen Entwicklung der Kinder beitragen? Worin könnte ihr Beitrag bestehen und wie lässt sich ihre Wirkung auf das kindliche Publikum denken? Diese Fragen bilden den Rahmen der vorliegenden Arbeit. Sie ist von der Absicht getragen, die aufwachsende Generation in die Selbstän- digkeit zu entlassen und ihr zur subjektiven Grundlage eines Lebens in Kommu- nikation und Solidarität zu verhelfen. Damit ist auch der normative Rahmen dieser Arbeit angegeben. Man könnte freilich fragen, ob der eben formulierte Gesellschaftsauftrag unter den Bedingungen des Spätkapitalismus noch Geltung hat. Müssen wir uns nicht von den Vorstellungen eines festen Ich-Kerns, eines autonomen individuellen Subjekts verabschieden und anerkennen, dass Identität kontinuierlich und unter wechselnden Bedingungen verhandelt und auch laufend neu erfunden wird? Und ist nicht das rasende Bedürfnis nach öffentlicher Aner- kennung, wie es sich heute in den medialen Reality-Programmen ausdrückt und sich vielleicht am radikalsten in den Gewaltorgien von Einzeltätern manifestiert, das Spiegelbild dieses erbarmungslosen Zwangs zur Selbsterfindung? Wie sehr man diesen kulturkritischen Analysen auch beipflichten mag, ändern sie doch kaum etwas an den demokratischen Idealen einer Gemeinschaft und an deren subjektiven Voraussetzungen. In der bildungstheoretischen und erziehungstheoretischen Diskussion des Märchens spielen allerdings kultur- und gesellschaftskritische Überlegungen eher eine untergeordnete Rolle. Dabei wird die Diskussion zuweilen außerge- wöhnlich leidenschaftlich geführt. Auch ist sie durch eine erziehungstheoretische Fragestellung gekennzeichnet, wie sie sich für andere Kunstarten und -gattungen nicht stellt oder dort als abwegig empfunden w...

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