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Die Charaktere aus Goethes «Wilhelm Meisters Lehrjahre» bei Anton Rubinstein und Hugo Wolf

Mit einer Analyse der Rezeptionsgeschichte der lyrischen Einlagen des Romans

Matthies Andresen

Hugo Wolf und Anton Rubinstein nehmen hinsichtlich der Vollständigkeit ihrer Vertonungen der Gedichte aus Goethes Wilhelm Meisters Lehrjahre eine Sonderstellung ein. Ihre im Abstand von nur 16 Jahren entstandenen Kompositionen werden erstmalig jeweils als einheitlicher Korpus untersucht. Dabei findet die Analyse fächerübergreifend auf literatur- und musikwissenschaftlicher Ebene statt. Im Zentrum der literarischen Untersuchung steht die Charakterdarstellung, die dann in Verbindung mit den verschiedenen Vertonungen betrachtet wird. Eine Hinführung zum Thema erfolgt durch die Untersuchung der Rezeptionsgeschichte der lyrischen Einlagen des Romans, wobei alle Quellentexte vollständig wiedergegeben werden.

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5. Vergleichende Schlussbetrachtung unter Berücksichtigung der verwendeten Tonarten bei Rubinstein und Wolf

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Die Kompositionen Rubinsteins und Wolfs zu den lyrischen Einlagen in Wilhelm Meisters Lehrjahre nehmen nicht nur durch ihre Vollständigkeit eine Sonderstellung in den Kompositionen zu diesen Texten ein, sondern auch durch ihre Darstellung der Charaktere. Diese wird von beiden Kom- ponisten auf unterschiedlichste Weise vorgenommen, ist aber in beiden Fällen entweder durch den Kontext der Gedichte im Roman (Rubinstein) oder durch eine Neuschichtung (Wolf) begründet. Die musikalischen Hauptmerkmale, durch die die Lieder der beiden Komponisten ausge- zeichnet sind, sind ebenso unterschiedlich, wie die Herangehensweise an den Text. Wolf verändert die textliche Vorlage nur in äußerst seltenen Fällen, wenn dies durch den Kontext der Gedichte im Roman begründet ist. Zu- sätzlich lässt ein Höchstmaß an Deklamation die Singstimme frei über einer gleichberechtigten Klavierstimme agieren, wodurch die Unabhän- gigkeit beider Stimmen erreicht wird. In Kenntnis des Romans und des Gedichtbands von Goethe entscheidet Wolf sich in seinen Liedern „Aus Wilhelm Meister für eine nach Personen geordnete Reihenfolge der Kompositionen. Diese Umschichtung ist es, die eine völlig neue Charak- terisierung der Figuren des Harfners und Mignons zulässt. Durch die Trennung in „Aus Wilhelm Meister und „Balladen fügt er zusätzlich eine deutliche Unterscheidung der Figuren des Harfners und des Sängers ein. Im Unterschied zu dieser Vorgehensweise stehen die chronologisch angeordneten Lieder Rubinsteins. Deutlich merkt man die 16 Jahre Un- terschied, die zwischen den Kompositionen liegen und deren musikali- sche Unterschiede noch durch die konservative Haltung Rubinsteins der...

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