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Die Wohnsituation von MigrantInnen in Wien

Stadtpolitische Diskussion und Politikgestaltung

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Elke Schaupp

MigrantInnen leben in Wien in qualitativ schlechteren Wohnverhältnissen. Sie sind auch subjektiv mit der eigenen Wohnsituation unzufriedener, wie die empirische Grundlagenforschung für Wien 2008 hervorbrachte. Diese Ergebnisse werden in dieser Arbeit vor dem Hintergrund der wissenschaftlichen Theorien zum Phänomen «ethnische Segregation» interpretiert. Die eingehende Darstellung der Wohnsituation von MigrantInnen in Wien mündet schließlich in einer qualitativen Analyse der kommunalpolitischen Debatte im Themenfeld «Wohnen und MigrantInnen», mit besonderem Fokus auf die Periode 2005-2010. Die kommunalpolitische Debatte wird abschließend in Bezug zur wissenschaftlichen Diskussion um «ethnische Segregation» gesetzt, politische Maßnahmen werden vor dem Hintergrund des wissenschaftlichen Erkenntnisstandes bewertet.

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3. Segregationstheorie

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3.1. Segregation und Segregationsforschung Der Begriff „Segregation“ beschreibt die ungleiche räumliche Verteilung be- stimmter Bevölkerungsgruppen über ein Stadtgebiet. Das zentrale Interesse der Segregationsforschung liegt in der Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen dieser räumlichen Ungleichheit und sozialer Ungleichheit gibt und wie sich die- ser manifestiert (Friedrichs 1977, 216). Unter dem Begriff der „Segregation“ subsumieren sich mehrere Aspekte, die im Zentrum der Analyse von SegregationsforscherInnen stehen: Zum einen er- fasst der Begriff den Prozess der „Entmischung“, also einen Filtering-Prozess, der den Wegzug gewisser (zB „reicherer“) Bevölkerungsgruppen bedeutet und das Zurückbleiben anderer (zB „ärmerer“) Bevölkerungsgruppen. Er beschreibt aber auch das statistisch erfassbare Ergebnis dieser Entmischung, also den Zu- stand der räumlichen Distanz zwischen sozial distanzierten Gruppen (Friedrichs 1977, 216; Fassmann 2002, 13; Dangschat 2002, 27; Bosswick et al 2007, 22). Der Prozess der Segregation führt in seiner logischen Folge zu Konzentrationen bestimmter Bevölkerungsgruppen in bestimmten Stadtgebieten. In dieser Arbeit steht insbesondere das Phänomen der Konzentration bestimmter ethnischer Be- völkerungsgruppen in bestimmten Stadtteilen in Wien im Mittelpunkt. Ihren Ausgangspunkt hat die Segregationsforschung in den USA. Dort ent- wickelten Soziologen am Anfang des 20. Jahrhunderts erste Theorien zur Be- deutung des Wohnumfeldes für die Entwicklung sozialer Beziehungen im All- gemeinen und zum Einfluss von Segregation auf soziale Beziehungen im Spezi- ellen. Gegenstand ihrer Untersuchungen waren Teilgebiete in amerikanischen Großstädten, die beinahe ausschließlich von Angehörigen einer bestimmten Ethnie bewohnt wurden (zur Historie der Segregationsforschung vgl. Friedrichs 1977, 217; Farwick...

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