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Erinnerungsliteratur von Jehovas Zeugen als NS-Opfern

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Justyna Haas

Das Buch befasst sich mit Erinnerungstexten von Zeugen Jehovas als einer lange vergessenen Opfergruppe des Nationalsozialismus. Die Autorin stützt ihre Ausführungen auf reiche, neu erschlossene Quellenbestände und literaturwissenschaftliche Ansätze, deren Methodik der Spezifik von Zeitzeugentexten hinsichtlich ihrer Funktionalität gerecht werden kann. Erinnerungstexte verfolgter Zeugen Jehovas werden analysiert und anhand eines umfassend argumentierten Vergleichs mit literarischen Texten zum Holocaust als Erinnerungsliteratur im kultur- und literaturwissenschaftlichen Forschungsfeld platziert. Für die Entwicklung von Toleranz und Zivilcourage stellen sie sich als wichtig und didaktisch verwertbar heraus. So bezweckt die Verfasserin nicht nur, die Erinnerungstexte vor dem Vergessen zu bewahren, sondern legt zudem eine neue Basis für weiterführende historische und literaturwissenschaftliche Auseinandersetzungen.

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6 Literatur und Zeitzeugen

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Vielleicht schreibe ich deshalb, weil ich keine bessere Möglichkeit zum Schweigen sehe.302 6.1 Präliminarien Die Hauptschwierigkeit, den Texten von Überlebenden ihren Platz in der Litera- turwissenschaft zu sichern, ist die Annahme, literarische Texte seien von ästheti- schen Werten geprägt und befolgen strenge literaturwissenschaftliche Kriterien, wie Fiktion und Bildungskraft. Die Rolle der Wissenschaft sei es, literarische Texte von Gebrauchstexten zu unterscheiden.303 Die in den letzten Jahren vor sich gehende Entwicklung aller Geisteswissenschaften räumte jedoch Platz für neue Tendenzen und Forschungsbereiche ein, zu denen u. a. die Erinnerungsar- beit und die Biographik in der Literatur gehören.304 In seinem Buch „Literatura a literackość“305 vertrat der polnische Literat Stanisław Dąbrowski allerdings be- reits im Jahre 1977 eine Ansicht, die viel Licht auf die Thematik literaturwissen- schaftlicher Grenzgebiete wirft und sich hauptsächlich mit der Frage beschäftigt, was die Substanz von Literatur ausmacht.306 Als Beispiel dafür wird die mittelalterliche Musiklehre angegeben: Nur durch einen Verstoß gegen das harmonische Axiom und die Anerkennung der Terz als ein harmonisches Gebilde schlug man einen neuen Weg zur Polyphonie ein.307 302 Ilse Aichinger, zitiert nach: Schlant, Die Sprache des Schweigens, S. 11. 303 K. Górski, Przegląd stanowisk metodologicznych w polskiej historii literatury do 1939 roku, in: zjazd Naukowy Polonistów 10–13 grudnia 1958, Wrocław 1960, S. 120, Zitiert nach: Boczek, Klasyfikacja, S. 17. 304 Dass die innovative Weiterentwicklung traditioneller literarischer Genres zu den Kenn- zeichen postmoderner Literatur gehört, erkennt bereits Harold Nicolson in...

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