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Erinnerungsliteratur von Jehovas Zeugen als NS-Opfern

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Justyna Haas

Das Buch befasst sich mit Erinnerungstexten von Zeugen Jehovas als einer lange vergessenen Opfergruppe des Nationalsozialismus. Die Autorin stützt ihre Ausführungen auf reiche, neu erschlossene Quellenbestände und literaturwissenschaftliche Ansätze, deren Methodik der Spezifik von Zeitzeugentexten hinsichtlich ihrer Funktionalität gerecht werden kann. Erinnerungstexte verfolgter Zeugen Jehovas werden analysiert und anhand eines umfassend argumentierten Vergleichs mit literarischen Texten zum Holocaust als Erinnerungsliteratur im kultur- und literaturwissenschaftlichen Forschungsfeld platziert. Für die Entwicklung von Toleranz und Zivilcourage stellen sie sich als wichtig und didaktisch verwertbar heraus. So bezweckt die Verfasserin nicht nur, die Erinnerungstexte vor dem Vergessen zu bewahren, sondern legt zudem eine neue Basis für weiterführende historische und literaturwissenschaftliche Auseinandersetzungen.

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11 Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick

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In der Einleitung und in Kapitel 4 wurden Fragen aufgeworfen, die Anhalts- punkte und zugleich den Plan vorliegender Forschung bildeten. An dieser Stelle ist es angebracht, auf diese Punkte noch einmal einzugehen, um eine Zusam- menfassung der Forschungsergebnisse zu erstellen und sie dementsprechend zu kommentieren. Zunächst wurde das Verfolgungsschicksal der Religionsgemeinschaft als Hintergrund für ihre literarische Betätigung beleuchtet. Nach einem kurzen Um- riss ihrer Geschichte und Weltanschauung wurde auf den heutigen Umgang mit der Verfolgung aus der Perspektive der Zeugen Jehovas hingewiesen. Die er- wähnten Ausführungen ließen zu folgenden Ergebnissen gelangen: Die Verfolgungsgeschichte der Zeugen Jehovas im Dritten Reich weist eini- ge Besonderheiten auf: Sie wurden als erste Religionsgemeinschaft verboten und in den KZs als eigenständige Häftlingsgruppe mit dem „Lila Winkel“ ge- kennzeichnet. Als einzige Häftlingsgruppe konnten sie das Ende ihrer Haft durch eigenes Handeln herbeiführen. Als einzige Gruppe im Dritten Reich pro- pagierten und praktizierten sie in ihrer Gesamtheit die Kriegsdienstverweige- rung. Jahrzehntelang wurden sie als Opfergruppe systematisch übergangen und galten damit als „vergessen“. Die größte Widerstandskraft schöpften Zeugen Jehovas aus ihrem biblisch fundierten Glauben. Die Bindung zu ihrem himmlischen Vater, Jehova Gott, sowie die Hoffnung, einmal im Paradies auf der Erde leben zu können, gaben ihnen angesichts der brutalen Verfolgung Trost und Mut. Sie konnten dem NS- Staat trotzen, in der Überzeugung, richtig und nach ihrem Gewissen gehandelt zu haben. Eine enorme Kraftquelle waren die Glaubensangehörigen, die einan- der beistanden und sich umeinander k...

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