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Wilhelm Hauffs «Die Errettung Fatmes»

Textanalyse und Interpretation- Ein Beitrag zum kreativen Umgang mit dem Volksmärchen in einem Kunstmärchen

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Hans-Wolfgang Bindrim

Der schwäbische Dichter und Literat Wilhelm Hauff (1802-1827) ist heute vor allem als Märchenerzähler berühmt. Zu seinen orientalischen Märchen gehört auch die Geschichte Die Errettung Fatmes aus dem Märchenalmanach Die Karawane (1826). In dem Kunstmärchen hat er Strukturen, Elemente und Motive des Volksmärchens konstruiert und dekonstruiert. Insgesamt hat er die Märchenwelt psychologisiert, rationalisiert und säkularisiert. Darin liegt seine eigentliche poetische Leistung als «aufgeklärter» Märchenerzähler für Kinder und Erwachsene in der Epoche der Restauration und Biedermeierzeit. Das Märchen steht jedoch vor seiner Auflösung und wird zur bloßen Abenteuergeschichte, wenn die Begegnung mit dem Wunderbaren als Inhalt fehlt.

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2. Grundfragen der Textanalyse und Interpretation

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Wie nähert man sich einem fiktionalen (bzw. literarischen) Text? Wie einem narrativen Text? (Das Gegenteil ist ein theoretischer bzw. argumentativer Text oder ein nicht-fiktionaler Text oder Sachtext.) Wie kann man sich mit (lite- rarischen) Texten mündlich und schriftlich auseinandersetzen?6 Das Kommunikationsmodell sieht den Text als Nachricht (bzw. als Mit- teilung oder Aussage) eines Senders an einen Empfänger. Sender (Sprecher, Schreiber, Zeichengeber, Autor oder Kommunikator) und Empfänger (Hörer, Leser, Rezipient oder Adressat) müssen zum Codieren („Schreiben“ bzw. „Ver- schlüsseln“) und zum Decodieren („Lesen“ bzw. „Entschlüsseln“) der Nachricht (Text) denselben Code (Sprache) benutzen. Die Nachricht wird in einer be- stimmten sprachlichen Form (Laute, Schrift oder Gebärden) übermittelt, die Träger von Bedeutungen ist. Die Bedeutungen sind einem Ausschnitt der realen Wirklichkeit zugeordnet oder beziehen sich auf die ideelle Wirklichkeit.7 (Abb. 1) Seit Ferdinand de Saussure (1857 – 1915), der die Sprache nicht mehr in ihrer Diachronie, sondern in ihrer Synchronie untersucht hat, wird Sprache, die als „langue“ (Sprache als System), als „langage“ (Sprache als menschliche Re- de) und als „parole“ (Sprache als individuelles Sprechen) Gegenstand der Sprachwissenschaft ist,8 als ein Zeichensystem analysiert. Sprache wird als eine Struktur aufgefasst. Das Sprachzeichen wird materiell als Laut- oder Buch- stabenfolge realisiert, die auf eine bestimmte Vorstellung verweist und die damit etwas bedeutet. Die materielle Komponente des sprachlichen Zeichens wird als Ausdruck (das Bezeichnende, der Signifikant, „signifiant“) definiert, die be- 6 Hierzu s. Lieselotte Kinskofer u. Stefan Bagehorn: Reden, Schreiben, Präsentieren. Mit Texten arbeiten. Deutsch....

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