Show Less

Symbole der Macht?

Aspekte mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Architektur

Series:

Edited By Olaf Wagener

Burgen gelten gemeinhin als Symbole der Macht – aber hält diese Annahme einer wissenschaftlichen Untersuchung stand? Im Rahmen einer Tagung in Oberfell an der Mosel im November 2011 wurde diese Frage thematisiert. Eine Vielzahl von Vorträgen aus verschiedenen Disziplinen beleuchtete unterschiedliche architektonische Objekte aus dem Mittelalter und der Frühen Neuzeit. Bewusst wurde die Burg nicht als singuläres Bauwerk behandelt, sondern in den Kontext herrschaftlicher Architektur im Allgemeinen zurückgeholt. Daher wurden in den Beiträgen Burgen, Sakralbauten, Zeughäuser, Brücken oder auch Rathäuser behandelt, und dabei immer in den Kontext von Landschaft und Gesellschaft eingebettet. Der zeitliche Rahmen erstreckte sich vom hohen Mittelalter bis in die Frühe Neuzeit, um so auch den Wandel nicht nur der architektonischen Formen, sondern auch ihrer Wahrnehmung aufzeigen zu können.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

Abbild, Symbol, Repräsentation – Funktionen mittelalterlicher Architektur? Matthias Untermann

Extract

Abbild, Symbol, Repräsentation – Funktionen mittelalterlicher Architektur ? Matthias Untermann 1 I Wer die Kirche des Frauenklosters Ottmarsheim betritt, die im Oberelsass unweit einer frühen Habsburger-Burg steht, sieht sich einer ungewöhnlichen Architektur gegen- über:2 der Hauptraum ist achteckig (anders als bei Kirchen sonst üblich), die Wände werden von niedrigen Arkaden und hohen, mit Säulenstellungen vergitterten Bögen gebildet. Alle acht Seiten sind gleich gestaltet: Eingangsseite und Ort des Altarraums (die in christlichen Kirchen die Hierarchie des Raums prägen) sind, wenn man innen steht, nicht mehr unmittelbar ablesbar. Für ein Nonnenkloster ist eine solche Kirche ebenso ungewöhnlich wie funktional ungeeignet: Wo soll das Chorgestühl stehen, wo der Altar, wo ist der Platz der Laien ? Wer in frühmittelalterlicher Architekturgeschichte beschlagen ist, sieht sofort, was hinter dieser seltsamen Bauform steht: Die von Karl dem Großen gestiftete Marien- kirche in seiner Pfalz Aachen („Pfalzkapelle“, heute: Münster), in der bis ins späte Mittelalter die deutschen Könige gekrönt wurden. Die Baugestalt der Aachener Kirche war deshalb den weit gereisten Adligen und Geistlichen des Mittelalters präsent. Sie ist fast 250 Jahre älter als die Ottmarsheimer Kirche.3 Die Übereinstimmung ihrer 1 Der Vortragsstil wurde beibehalten. Die Fußnoten nennen weiterführende Studien und die wichtigsten Belege zu den benutzten Beispielen; auf eine ausgreifende methoden- geschichtliche Einbindung wird ebenso verzichtet wie auf den Versuch, möglichst zahl- reiche Belege (und Gegenbelege) für die vorgetragenen Überlegungen aufzuführen. 2 Ausführlicher zu diesem Beispiel:...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.