Show Less

Zu Hause schmeckt’s am besten

Essen als Ausdruck nationaler Identität in der deutsch-türkischen Migrationsliteratur

Series:

Corinna Ott

Zu Hause schmecke es am besten – meint der Volksmund. Zugleich wirken die ungewohnten Speisen und Mahlzeitenformalitäten anderer Kulturen oft besonders befremdlich und exotisch. Als ein – sehr anpassungsfähiges – Stück mobiler Heimat nimmt das Essen einen wichtigen Platz in der Bildung der Identität des Menschen ein. Diese identitätsbildenden Aspekte der Ernährung hat sich die Kunst in vielen Szenen zu Eigen gemacht, so auch die deutsch-türkische Migrations- und Postmigrationsliteratur, die von unterschiedlichen Auffassungen des Heimatbegriffes im Laufe der Autorengenerationen geprägt ist. Diese Untersuchung konzentriert sich daher auf eine Analyse der identitätsbildenden Aspekte des Essens und auf die Verwendung dieses Themas in der deutsch-türkischen Migrationsliteratur.

Prices

Show Summary Details
Restricted access

I. Teil: Theorie

Extract

1. Geschichte der türkischen Migration nach Deutschland Im November 2011 feierte die Bundesrepublik Deutschland mit einem Festakt das 50-jährige Bestehen des Anwerbeabkommens mit der Türkei. Das halbe Jahrhundert türkische Migrationsgeschichte ist nicht nur durch wirtschaftliche Faktoren bestimmt, sondern auch von politischer Organisation durch Gesetz- gebung, politischer Instrumentalisierung, medialer Meinungsmache und dar- aus folgenden gesellschaftlichen Ängsten erheblich beeinflusst. Die Entwicklung der Wanderungsgeschichte lässt sich in verschiedene Pha- sen unterteilen, zu denen die Entwicklung der Migrationsliteratur in Deutsch- land zu großen Teilen parallel verläuft. 1.1. Das Anwerbeabkommen von 1961 Folgendes war am 21. September 1955 in einer Zeitungsreportage zu lesen: Der Bauernverband von Baden-Württemberg hat in diesem Jahr erstmals für das Bun- desgebiet den Versuch unternommen, dem Mangel an geeigneten Arbeitskräften für die Landwirtschaft durch die Beschäftigung einer größeren Zahl ausländischer Erntearbeiter zu begegnen. Die Bundesarbeitsbehörden haben bisher eine Beteiligung an dieser Aktion wegen des Fehlens entsprechender zwischenstaatlicher Abmachung und auch aus ar- beitspolitischen Erwägungen abgelehnt. Sie gestatteten jedoch der Arbeitsgemeinschaft baden-württembergischer Bauernverbände in Italien eine Anwerbung von Saisonarbei- tern in eigener Zuständigkeit vorzunehmen. Anfang Juli kamen auf diese Weise insge- samt 208 italienische Arbeiter nach Baden-Württemberg. 400 Bauern hatten sich bereit erklärt, italienische Erntearbeiter aufzunehmen und ihnen die Anreise zu zahlen. Nach- dem nun die 6monatigen Arbeitsverträge fast zur Hälfte abgelaufen sind, wird der Groß- versuch vom Bauernverband in einer Zwischenbilanz als geglückt bezeichnet. Die deut-...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.