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Zu Hause schmeckt’s am besten

Essen als Ausdruck nationaler Identität in der deutsch-türkischen Migrationsliteratur

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Corinna Ott

Zu Hause schmecke es am besten – meint der Volksmund. Zugleich wirken die ungewohnten Speisen und Mahlzeitenformalitäten anderer Kulturen oft besonders befremdlich und exotisch. Als ein – sehr anpassungsfähiges – Stück mobiler Heimat nimmt das Essen einen wichtigen Platz in der Bildung der Identität des Menschen ein. Diese identitätsbildenden Aspekte der Ernährung hat sich die Kunst in vielen Szenen zu Eigen gemacht, so auch die deutsch-türkische Migrations- und Postmigrationsliteratur, die von unterschiedlichen Auffassungen des Heimatbegriffes im Laufe der Autorengenerationen geprägt ist. Diese Untersuchung konzentriert sich daher auf eine Analyse der identitätsbildenden Aspekte des Essens und auf die Verwendung dieses Themas in der deutsch-türkischen Migrationsliteratur.

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II. Teil: Textanalyse

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Die folgende Untersuchung der Migrationsliteratur, von den Anfängen der Arbeitermigration des zwanzigsten Jahrhunderts bis heute, erstreckt sich über verschiedene Lebensbereiche der Migranten und ihrer Nachfahren169 in Deutschland. Einerseits finden sich, vor allem in der Literatur der Nachfahren der Ar- beitsmigranten, Beschreibungen einzelner Gerichte, Erklärungen zu deren Entstehung, Zubereitungsarten und Beschaffung der Speisen, bis hin zu regel- rechten Rezeptvorgaben. Auf der anderen Seite werden nicht nur die Speisen selbst thematisiert, sondern auch die Esssituationen, die Mahlzeiten. So wie im Allgemeinen im Laufe der Generationen eine Verschiebung in der Ablehnung und Akzeptanz bestimmter Elemente beider Kulturen stattge- funden hat, hat sich die Auffassung der jüngeren Generation ebenfalls ge- ändert, was Speisen und Mahlzeiten betrifft; die Wahl fällt dabei immer öfter auch auf deutsche oder internationale Speisen. Darüber hinaus wird auf be- stimmte Sitten und Traditionen mehrheitlich kein Wert mehr gelegt, andere wiederum werden positiv bewertet und weitergeführt. Da inzwischen längst Konsens ist, dass die Integration von Migranten Ver- änderungen sowohl unter den Migrantengruppen, als auch unter der Mehr- heitsgesellschaft mit sich bringt, werden in dieser Untersuchung beide Sicht- weisen in Erwägung gezogen: die der deutschen Einheimischen auf die Ein- wanderer und ihre Nachkommen sowie diejenige der Einwanderer und ihrer Nachkommen auf die Einheimischen. Beide Sichtweisen weisen sowohl posi- tive Aspekte wie Neugierde, Wohlwollen, Wohlgeschmack als auch negative Aspekte wie Ekel, Unverständnis und Ethnozentrismus auf. Wichtig ist dabei, dass in den Texten auch die Sicht der Einheimischen nahezu ausschließlich vom Standpunkt der Hauptfiguren...

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